Wenn ich über Kultur im ländlichen Raum nachdenke, dann stellt sich mir als Erstes die Frage: Was ist eigentlich der „ländliche Raum“?
Zugegeben, für mich, als Leipzigerin, beginnt der ländliche Raum gefühlt schon an der Endhaltestelle der diversen Tram Linien der Leipziger Verkehrsbetriebe. Wenn man im Internet nach dem Begriff „ländlicher Raum“ sucht, findet man folgende Definition:

Ländlicher Raum, komplexer Begriff, der stark dem Wandel unterliegt und kaum durch eine allgemeingültige Definition fassbar ist. In der Raumordnung wird der ländliche Raum meist als „Restgröße“ angesehen, als Gebiet, das weder Verdichtungsraum noch Randzone eines Verdichtungsraumes ist und in diesem Sinne im Ggs. zum städtischen bzw. urbanen Raum steht. […] Der ländliche Raum ist ein naturnaher, von einer immer noch vorhandenen Land- und Forstwirtschaft geprägter Siedlungs- und Landschaftsraum mit geringer Bevölkerungs- und Bebauungsdichte sowie niedriger Zentralität der Orte, aber höherer Dichte der zwischenmenschlichen Beziehungen. Charakteristisch für ländliche Räume ist ihre naturräumliche und kulturhistorische Vielfalt.

Quelle: Spektrum.de

Eine schöne Definition, die treffender nicht formuliert sein könnte. Und so begab ich mich auf die Suche nach dem ländlichen Raum, in dem ich Kultur genieße. Und wie sich herausstellte, lag die Antwort gar nicht so weit entfernt. Genauer gesagt genau vier Kilometer von meiner Wohnung: Eine ganze Kulturlandschaft erstreckt sich hier dem gestressten Städter, um ihm Kultur, Freizeit und Erholung zu bieten:

Das Leipziger Neuseenland

Auf der Startseite der Webseite Leipzig Travel kann man lesen:

Ein faszinierender Mix aus Wasser und Kultur, Action und Entspannung sowie Vergangenheit und Gegenwart – all das ist das Leipziger Neuseenland. Hier verbinden naturbelassene Fließgewässer die Kulturstadt Leipzig mit den umliegenden neu entstandenen Seen.

Die Landschaft erhielt nach dem Ende der großen Braunkohle-Ära ein neues Gesicht. Heute finden Sie hier Natur pur. Viele Seen, Rad- und Wanderwege sowie unzählige Freizeitattraktionen warten darauf von Ihnen entdeckt zu werden.

Quelle: Leipzig Travel

Natur pur

Das Leipziger Neuseenland erstreckt sich über den Landkreis Leipzig, Nordsachsen und die Stadt Leipzig und entstand, beziehungsweise entsteht im Rahmen der Rekultivierung und Renaturierung der ehemaligen Braunkohlegewinnung. Die Tagebaulöcher, die zum Verfüllen zu groß waren, werden zu zahlreichen Gewässern umfunktioniert, die seit Jahren an Fläche gewinnen und durch zahlreiche Baumaßnahmen zu einem umfangreichen Naherholungsgebiet umfunktioniert werden. Der so bereits entstandene Seenverbund wurde bereits umfassend touristisch erschlossen. Die mehr als dreiundzwanzig Seen entstanden (und entstehen noch heute) vor allem in der Zeit nach der politischen Wende 1989. Der Braunkohletagebau verlor mehr und mehr an Bedeutung und so entschloss man sich die vorhandenen Restlöcher für die Natur, aber auch den Menschen zu rekultivieren. Der erste große See, der Cospudener See, wurde im Jahr 2000 seiner Bestimmung übergeben. Bis heute folgen weitere Gewässer.

Aussichtsturm Bistumshöhe

Das Versprechen Natur pur klingt verlockend. Doch schnell wird klar, dass die Nutzung der neu entstehenden Landschaft als Freizeitort klar im Vordergrund steht. Jährlich werden neue Seepromenaden, Hafenanlagen, Ferienhaussiedlungen, Sport- und Freizeitanlagen und Strände der Öffentlichkeit übergeben. Ob Radfahren, Inlineskaten, Hochseilklettern, Kanufahren, Bootstouren, Segeln, Tauchen, Schwimmen, Wandern, Spazieren gehen, einen Aussichtspunkt hinaufsteigen, den Freizeitpark besuchen, oder einfach nur Sonne tanken. All das ist möglich, damit die Leipziger und alle anderen Bewohner der stressigen Städte vom Alltag abschalten und Touristen einen spannenden Urlaub verbringen können.

Kultur in Hülle und Fülle

Für den kulturell Interessierten gibt es ein Angebot, das sich nicht zu verstecken braucht. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zahlreiche Museen, Heimatstuben, Kirchen, Schlösser, Burgen und Zeugen der Industriekultur sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Diverse Veranstaltungen, wie Open-Air-Konzerte und Festivals, Theateraufführungen, Kabarettabende, Lesungen, Vorträge, Märkte und Feste, aber auch sportliche Veranstaltungen geben immerzu neue Anreize die Seen und deren Umgebung auf ein Neues zu erkunden. Vor allem die Nähe zum sächsischen Burgen- und Heideland sorgt für viele neue Ziele, die zum Entdecken einladen. Viele Dörfer in der Umgebung der Seen profitieren vor allem in den Sommermonaten von den zahlreichen Touristen und Leipzigern, die auf der Suche nach Ruhe und Kultur die Orte erkunden.

Fazit

Das Leipziger Neuseenland lohnt sich immer für eine kurzweilige Entdeckungsreise in den ländlichen Raum des Leipziger Südens. Je weiter man sich von den stadtnahen Seen entfernt, umso interessanter wird das Kulturprogramm. Viele Gemeinden, deren Existenz durch den Braunkohletagebau bedroht war, und die durch die zurückgebliebenen Tagebaulöcher den ursprünglichen Charme der umgebenen Landschaft eingebüßt hatten, profitieren nun durch die Bemühungen der Renaturierung und touristischen Erschließung der Tagebaugebiete. Vor allem für den Tagestouristen, aber auch für Kurzurlauber hat das Neuseenland mit jedem Jahr mehr zu bieten, was eine Erkundung der Region immer wieder interessant gestaltet. Auch und vor allem, für den Leipziger.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade zum Thema Kultur und Kulturtourismus im ländlichen Raum #KulTourRaum. Ein Kooperationsprojekt von Kultur hoch N und Zeilenabstand.net.

Stefanie Karg
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Stefanie Karg

Kunsthistorikerin M.A.
Fachreferentin für Kulturtourismus und -marketing
Schwerpunkte: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Kultur-)Marketing und Social Media, Redaktions- und Netzwerkarbeit
Redaktionsmitglied Kultur-Hoch-N
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3 thoughts on “Wenn ich über Kultur im ländlichen Raum nachdenke… #KulTourRaum”

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