Seit einigen Jahren setzt sich weltweit ein neuer Freizeittrend durch. Das Geocaching. Um vorweg schon all jenen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die nun fragen, ob ein Museum denn jeden Trend mitmachen muss, möchte ich diese Frage sofort mit einem klaren „Nein“ beantworten. Wollte ein Museum diesen Trends nachjagen, so wäre dies, nach meiner Meinung ein Unterfangen, welches zum Scheitern verurteilt ist.

Dennoch möchte ich das Thema Geocaching aufnehmen und im Folgenden sowohl die Funktionsweise dieses „weltweiten Suchspiels“ erläutern als auch Möglichkeiten aufzeigen, wie sich dieser Trend von Museen ergänzend zur Vermittlungsarbeit heranziehen lässt.

Was ist Geocaching?

Geocaching ist ein weltweites Suchspiel. Mittels eines GPS-Empfängers machen sich Geocacher in der ganzen Welt auf die Suche nach den versteckten Geocaches. Diese „Schätze“ sind zumeist Kunststoffdosen in denen sich ein Logbuch oder ein Logstreifen befindet. Zudem bieten größere Kunststoffdosen Platz für kleinere Tauschgegenstände, beispielsweise Figuren aus Überraschungseiern, Glasmurmeln und Pins. Dabei ist zu beachten, dass sowohl das Suchen, als auch das Eintragen in das Logbuch heimlich und unbeobachtet zu erfolgen hat. Dies dient dazu Nicht-Geocachern, im Fachjargon genannt „Muggel“, nichts von der Existenz des Geocaches zu verraten.
Sowohl diejenigen, welche einen Geocache verstecken, als auch die „Sucher“ kommunizieren dabei über eine Internetplattform. Hier werden die Koordinaten veröffentlicht, die Geocaches beschrieben und auch die Funde notiert.
In der einfachsten Form, der Traditional Caches, befindet sich das Behältnis an den angegebenen Koordinaten. Hinweise auf das Versteck erleichtern die Suche. Es gibt jedoch mittlerweile zahlreiche weitere Formen. Beim Multicache wird mittels Koordinaten nur der Ausgangspunkt für eine Suche angegeben. Zumeist anhand von Hinweisen hangelt sich der Suchende von Station zu Station, ehe er am „Final“, am eigentlichen Geocaches anlangt.
Beim „Unknown Cache“ oder auch „Mystery Cache“, geben die Koordinaten nur einen beliebigen Punkt in der Region an. Die Zielkoordinaten sind in einem Rätsel versteckt. Dies kann von einer kodierten Geheimsprache bis hin zu verstecken Hinweisen in Grafiken nahezu alles sein.
All diesen Caches ist gemeinsam, dass sich am Zielort ein Behältnis befindet. Die Größe dieser Behältnisse kann dabei variieren von einer Filmdose bis hin zu einer ausgedienten Munitionskiste.

Weitere Formen sind „Earthcaches“, „Webcam-Caches“ oder „Whereigo-Caches“. Beim Earthcache sowie beim Webcam-Cache gibt es keine real existieren Behältnisse. Das Eintragen dieser Cache als „Fund“, das so genannte Loggen, ist an einige Bedingungen geknüpft und erfolgt ausschließlich über die Internetplattform. Auf den Whereigo-Caches als neue Sonderform wird unten gesondert eingegangen.

Warum Trend?

Der erste Geocache wurde am 3.Mai 2000 in der Nähe der Stadt Portland/ Oregon in den USA versteckt. Mittlerweile gibt es über 5 Millionen Geocaches weltweit und rund 1,7 Millionen Menschen machen sich Tag für Tag auf die Suche.
Allein in Deutschland zählen wir zurzeit rund 245.000 Caches und geschätzte 100.000 Bundesbürger stöbern diese Verstecke auf. Die Zahl der Geocaches hat dabei von Dezember 2011 bis Mai 2012 um über 10% zugenommen. In den Bundesländern Niedersachsen und Bremen verstecken sich (Stand Mai 2012) rund 36.400 Geocaches.
Allein die Anzahl der versteckten „Dosen“ und die stetig wachsende Anzahl der Geocacher macht deutlich, dass es sich hierbei um eine immer beliebter werdende Freizeitaktivität handelt.

Wie können Museen dies nutzen

Für Museen stellt das Geocaching eine Möglichkeit dar, sowohl neue Zielgruppen anzusprechen, als auch die Bereiche Marketing und Vermittlung zu unterstützen. Die Tatsache, dass Geocaching eine Vielzahl von Menschen aller Altersgruppen anspricht macht es für Museen als Quellmarkt für die Zielgruppengewinnung interessant. Die geocachenden Personen sind in der Regel interessiert und lesen beispielsweise die Hinweise zu den einzelnen Caches sehr sorgfältig. Zudem haben Museen die Möglichkeit auf Orte, Landschaftsformen und Kunstgegenstände gezielt hinzuweisen, die sich nicht im Museum befinden. Ein historisches Museum kann so beispielsweise auf Geburtshäuser von bekannten Persönlichkeiten hinweisen, ein Kunstmuseum auf Skulpturen im öffentlichen Raum, ein Industrie- und Technikmuseum auf ehemalige Einrichtungen dieses Bereiches in der Region.
Auf diese Weise kann das Museum seinen Wirkungskreis auf die Region erweitern und bringt sich dabei selber als kompetentes Zentrum für Fragen zu den Örtlichkeiten ins Spiel.
Ein weiterer Effekt ist außerdem, dass durch die „Heimlichtuerei“, die sich durch das unbeobachtete Suchen, Finden und Loggen, ganz neue Motivationen ergeben. Erst kürzlich berichtete ein Lehrer, dass seine Klassen seit Jahren im Rahmen einer Klassenfahrt immer die gleiche längere Wanderung im Harz unternehmen würden, die zumeist nur begrenzt positiv aufgenommen würde. Seit vergangenem Jahr ist diese Wanderung nun eine Geocachingtour. Die Schüler seien nunmehr begeistert von der tollen Wanderung auf der heimlichen Jagd nach Kunststoffdosen.
Dieser Umstand, die Möglichkeit des bereits in den 1970er Jahren propagierten „entdeckenden“ Lernens, lässt Geocaching als zusätzliches Angebot für Museen und Kultureinrichtungen ausgesprochen interessant erscheinen.
Es gibt jedoch auch ein paar Dinge zu beachten. Zum einen schätzen Geocacher gut gemachte Verstecke, deren Suche und Auffindung Spaß bereiten sollen. Zum andern wehrt sich die Gemeinde der Geocacher gegen eine Kommerzialisierung ihrer Freizeitaktivität. Für Museen, die einen öffentlichen Auftrag haben wird dies jedoch gerne in Kauf genommen. Es ist in jedem Fall ratsam, sich mit einem lokalen Geocacher zusammen zu tun um gemeinsam einen oder mehrere Geocaches auszulegen. Den Kontakt zu diesen Cachern erhält man recht leicht über die Internetplattformen.

Exkurs Wherigo

Eine sehr neue Form des Geocachings sind die so genannten Wherigo-Caches. Hierbei handelt es sich um komplexere Spielabläufe, die mittels Smartphone oder einigen GPS-Empfängern gespielt werden. Hierbei wird durch das GPS-Signal die Position abgefragt und beim Erreichen eines relativ kleinen geografischen Bereiches werden Information oder Handlungsanweisungen durch das Gerät an den Nutzer gegeben. Diese Informationen können sich auf Gebäude, Kunstwerke, landschaftliche Besonderheiten etc. beziehen. Das Gerät kann nun ein nächstes Ziel vorschlagen. Möglicherweise ist dieses System die bei weitem kostengünstigere Alternative zu Audio und Multimediaguides im Outdoor-Bereich. Die Erstellung dieser Wherigo-Dateien, Cartridges genannt, erfordert ein wenig Übung, ist aber durchaus auch von Laien zu leisten.

Fazit

Mit Geocaching lassen sich neue Besuchergruppen für Museen ansprechen. Zugleich können über gut gemachte und an interessanten Orten versteckte Geocaches Informationen vermittelt werden. Letztlich ist dies eine sehr kostengünstige Aktivität, denn die Kosten für einen Geocache belaufen sich auf wenige Euros. Die Mitgliedschaft in einer der Organisationen ist zumindest als Basis-Mitglied kostenlos. Auch müssen GPS nicht vorgehalten werden, da im Normalfall jeder Geocacher ein solches Gerät besitzt. Durch die zunehmende Verbreitung der Smartphones ist es jedoch auch für den Geocaching-Neuling ein leichtes, an diesem Trend zu partizipieren.

Links:

www.geocaching.com
www.opencaching.de

 

Foto:

Geocache „Ehrenpfortenberg“, Berlin; Der Ehrenpfortenberg ist mit 69 Metern die höchste Erhebung des Bezirks Reinickendorf / Anagoria /

Lars Lichtenberg

Museumsleiter bei Natureum Niederelbe
Historiker, Germanist mit mehrjähriger Erfahrung in verschiedenen Bereichen der Museumsarbeit sowie im Online-Publishing und in der Erwachsenenbildung.
Lars Lichtenberg

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