In der Welt der Kunst und Kultur stellt sich hin und wieder die Frage: Was ist eigentlich ein Museum? Natürlich hat jeder sein eigenes Bild und seine eigene Vorstellung davon, was ein Museum ist und an Klischeedenken wird sicher bei niemandem gespart. Vorurteile und negative Erinnerungen an Schulausflüge machen es nach wie vor schwer sich dem Thema Museum unvoreingenommen zu nähern.

Auch rational betrachtet ist diese Frage nach wie vor schwer zu klären, denn der Begriff „Museum“ ist in Deutschland nicht geschützt, Auftrag und Aufgaben der Museen sind nicht gesetzlich geregelt. Rahmenbedingungen für die Museumsarbeit geben die vom Internationalen Museumsrat ICOM verfassten und weltweit anerkannten ethischen Richtlinien (ICOM Code of Ethics for Museums/2001) vor.

„Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“

ICOM 2006

Noch im Jahre 1978 gab es keine klare Definition für das Museum:

„Da der Begriff „Museum“ noch keine zeitgemäße Definition besitzt und somit hierfür auch keinerlei Rechtsverbindlichkeit besteht (weshalb das Wort gelegentlich für rein kommerzielle Zwecke verwendet, wenn nicht gar missbraucht wird), sei hier der Versuch einer Begriffsbestimmung und einer Abgrenzung gegenüber Ausstellungen, Sammlungen, Verkaufsschauen usw. vorgelegt, wobei es sich zugleich um eine Anregung zur Diskussion und zur Definitionsverbesserung handelt.

1. Ein Museum ist eine von öffentlichen Einrichtungen oder von privater Seite getragene, aus erhaltenswerten kultur- und naturhistorischen Objekten bestehende Sammlung, die zumindest teilweise regelmäßig als Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich ist, gemeinnützigen Zwecken dient und keine kommerzielle Struktur oder Funktion hat.
2. Ein Museum muß eine fachbezogene (etwa kulturhistorische, historische, naturkundliche, geographische) Konzeption aufweisen.
3. Ein Museum muß fachlich geleitet, seine Objektsammlung muß fachmännisch betreut werden und wissenschaftlich ausgewertet werden können.
4. Die Schausammlung des Museums muß eine eindeutige Bildungsfunktion besitzen.
5. Nicht als Museum werden angesehen: Konzeptionslose Ansammlungen verschiedenartiger Objekte ohne fachbezogenen Hintergrund. Gleichartige Objektansammlungen ohne fachbezogenen Hintergrund oder ohne Bildungsfunktion (z.B. Bierdeckelsammlungen). Fachbezogene, aber nicht zuletzt einem kommerziellen Zweck dienende Verkaufsschauen (auch wenn sie aus heute nicht mehr gebräuchlichen oder auf dem allgemeinen Markt erhältlichen Objekten bestehen). Rein didaktischen oder informativen Zwecken dienende Ausstellungen ohne Sammlung als fachbezogener Hintergrund und ohne fachliche oder wissenschaftliche Betreuung bzw. Bearbeitung der Objekte. Rein wissenschaftliche Sammlungen, die nicht regelmäßig der Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich sind.

Bei diesen Punkten handelt es sich um den ersten Versuch einer Definition der Institution „Museum“. Möglicherweise werden die Belange manchen Museumstyps nicht voll berücksichtigt, möglicherweise sind die Grenzen etwas zu eng gezogen. Wir können mit unseren vorgesehenen Verhandlungen zwecks offizieller Klärung und Anerkennung dieses Begriffs durch die Kultusministerkonferenz und andere maßgebende Instanzen erst dann beginnen, wenn innerhalb des Museumsbundes weitgehende Übereinstimmung besteht. Daher wird um kritische Stellungnahmen und insbesondere um Verbesserungsvorschläge gebeten. Auf jeden Fall ist es an der Zeit, einer ungehinderten Verwendung des Begriffs „Museum“ ein Ende zu setzen. Kommentare sind bitte an den Vorsitzenden oder die Geschäftsstelle des DMB oder an die Schriftleitung zu senden.“

Quelle: (PDF zum Download) Deutscher Museumsbund (Hg.), „Museumskunde“, Band 43, Heft 3, Frankfurt a.M. 1978

Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass sich die Definition in den letzten Jahren und Jahrzehnten weder ausgeweitet hat, noch klarer umrissen wurde. Der Hauptfaktor beruft sich darauf, dass ein Museum folgende Kernaufgaben beachten muss, um sich (eigentlich) als Museum bezeichnen zu dürfen: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln.

Natürlich ist nicht jedes Museum dazu im Stande alle Anforderungen zu erfüllen. Die Frage ist doch aber: Muss es das? Natürlich brauchen wir eine Definition, denn ohne Definition herrscht Chaos und in Zeiten, in denen jeder um die knappen kulturellen Fördermittel wetteifert, kann ein Punkt mehr auf der Liste, der von dem Haus gewährleistet wird, über Gewinn und Verlust entscheiden.
Das Museum an sich ist aus der Sammelleidenschaft des Menschen heraus entstanden.

„Vorläufer heutiger Museumssammlungen sind die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance sowie die fürstlichen Sammlungen des Barock, in denen Objekte unterschiedlichster Herkunft und Zweckbestimmung gemeinsam präsentiert wurden. Als „theatrum mundi“ sollten die Gegenstände – Kunstwerke, Antiquitäten, Bücher, Naturalien, technische Geräte sowie auch Kuriositäten und Raritäten – den universalen Zusammenhang der Welt darstellen. Die Kunst- und Wunderkammern von Ferdinand II von Tirol (1529-1595) auf Schloss Ambras bei Innsbruck und von Kaiser Rudolf II (1576-1612) in Prag beispielsweise zählen noch heute zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art. Zu den ersten öffentlichen Museen in Europa zählen das British Museum in London (eröffnet 1753) und das Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig (1754). Die älteste eigens für diesen Zweck errichtete Museumsarchitektur in Europa ist das 1779 eröffnete Museum Friedericianum in Kassel.“

Quelle: Definition des Museumsbund

Wichtig ist aber (meines Erachtens) im ganzen Definitions-Drang die Hauptaufgabe nicht aus den Augen zu verlieren, denn warum gibt es Museen? Welche Aufgaben verfolgen sie?

„Die öffentliche Wertschätzung des Museums wird insbesondere durch seine publikumswirksamen Präsentationen in Dauer- und Sonderausstellungen bestimmt. Dies sind jedoch nicht die alleinigen Kennzeichen der professionellen Museumsarbeit. Ein erheblicher Teil der originären Aufgaben der Museen bleibt dem Besucher und den politisch Verantwortlichen in der Regel verborgen: das Sammeln, Bewahren und Forschen. Die Ergebnisse der Arbeit in diesen Bereichen sind die Grundlage für das Ausstellen und Vermitteln – und damit das öffentliche Erleben der Museumssammlungen.“

Quelle: Museumsbund

Und genau in diesem letzten Satz steht geschrieben, was wichtig ist: Das öffentliche Erleben. Denn in den mehr als 6000 Museen allein in Deutschland präsentiert sich uns häufig die Möglichkeit unsere Welt und unser alltägliches Leben aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Und für den Besucher ist es meist nicht von Bedeutung, ob ein Museum in der Lage ist sich zum Beispiel ausgiebig dem Forschen zu widmen, wenn es doch im Ausstellungsbereich so viel zu entdecken gibt. Denn eines ist uns allen gemein, ob Museumsbesucher oder Museumsmacher, wir alle wollen lernen und unseren Horizont erweitern.

 

Beitragsbild: Private Aufnahme des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg.

Stefanie Karg
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