Konzertscheune Kloster Malgarten
Konzertscheune Kloster Malgarten

Sucht man berühmte Museen, fallen einem Städte wie Berlin, München oder Köln ein, wenn man im deutschsprachigen Raum bleibt. Ähnlich mag es auf den ersten Blick im Bereich der klassischen Musik aussehen, doch möchte ich dieser Frage aus Sicht einer Musikwissenschaftlerin/Kulturmanagerin und eifrigen Konzertbesucherin nachgehen.

Da fällt einem natürlich als erstes das Schleswig-Holstein Musik-Festival ein, dessen Konzerte in Städten und auf dem Lande stattfinden. Aber auch das Osnabrücker Land – nicht zwingend ein Touristenmagnet – bietet bei genauerer Betrachtung eine Fülle an Konzertreihen mit klassischer Musik außerhalb der Großstadt.

Da wären zunächst die Malgartener Klosterkonzerte zu nennen, die seit über zehn Jahren im Kloster Malgarten stattfinden. Malgarten ist ein zu Bramsche eingemeindetes Dorf mit etwa 200 Einwohnern. Wie gelingt eine Konzertreihe auf dem Land? Schwierig, das steht fest. Mit bescheidenen Mitteln gestartet, hat sich die Reihe zu einer namhaften Konzertreihe entwickelt, die auf Künstler wie Matthias Kirschnereit, Ragna Schirmer, Voces8 oder das Vogler Quartett zurecht stolz sein kann. Aufgrund der begrenzten Platzkapazität in den Veranstaltungsräumen sind alle Konzerte Kammerkonzerte. Das hat zur Folge, dass auch die Einnahmen durch Eintrittsgelder nur den niedrigen vierstelligen Bereich erzielen können. Bedenkt man das Honorar der Künstler sowie anfallende Nebenkosten wie Reisekosten, Unterbringung u. a. wird schnell klar, dass ohne Sponsoren oder öffentliche Gelder Konzerte nicht zu finanzieren sind. Es sei denn, man setzt die Eintrittspreise deutlich jenseits von 50 EUR an, nur wird das kaum einer bezahlen wollen.

Die Kleinstadt Bramsche leistet sich eine weitere Konzertreihe, die Kornmühlenkonzerte im Tuchmachermuseum. Auch hier treten Kammerensembles auf. Im Unterschied zu den Klosterkonzerten, die überwiegend als Matineékonzerte durchgeführt werden, finden die Kornmühlenkonzerte zur „klassischen“ Zeit um 20.00 Uhr statt. Obwohl speziell ältere Musikfreunde immer wieder klagen, im Dunkeln führen sie nicht mehr Auto und könnten deswegen nicht zum Konzert kommen, sind die Kornmühlenkonzerte inzwischen überwiegend ausverkauft.

Was unterscheidet die beiden Konzertreihen sonst noch? Zunächst die Anzahl der Konzerte. Während die Reihe in der Kornmühle pro Jahr etwa fünf Konzerte umfasst, bieten die Klosterkonzerte ihrem Publikum wenigstens acht. Desweiteren die Eintrittspreise, die sich unmittelbar aus der „Liga“ der eingeladenen Künstler ergeben. Die Kornmühle setzt auf Nachwuchstalente, die Klosterkonzerte leisten sich etablierte Profis. Die haben ihren Preis. Dennoch kommen auch die Kornmühlenkonzerte nicht ohne Zuschüsse aus.

Neben diesen beiden Reihen bietet auch die St. Martinskirche in Bramsche diverse Konzertereignisse, die sich durchaus lohnen. Hier kommen Freunde von Chorsinfonik, Kammerchor- und Orgelmusik auf ihre Kosten.

Die Großstadt Osnabrück ist nur 15 km entfernt von Bramsche und stellt als solche eine enorme Konkurrenz dar und das gleich in vielfacher Hinsicht. Mit einem breiten Spektrum an Konzerten diverser Stilrichtungen, Festivals – musikalischen wie kulinarischen – Kinos und zahllosen Restaurants, hat es Bramsche schwer, sich dagegen zu behaupten.

Einen Bogen zwischen Großstadt und ländlichem Raum schlagen die Festivals Classic con brio und das Euregio Musik Festival. Ähnlich verhält es sich beim alljährlich im Herbst stattfindenden Festival Musica viva. Die etwa zehn Konzerte verteilen sich auf das südliche Osnabrücker Land, wenige finden in der Stadt selbst statt.

Anders liegt es naturgemäß bei den Quakenbrücker Musiktagen sowie dem Quakenbrücker Musiksommer. Die Kleinstadt Quakenbrück mit ihren 13.000 Einwohner, im kulturtouristisch reizvollen Artland gelegen, ist 50 km von der nächsten Großstadt entfernt. Ländlich geprägt und dünn besiedelt, das klingt nicht unbedingt nach einem geeigneten Standort für Konzertreihen bzw. Festivals. Die Quakenbrücker Musiktage beweisen mit ihren sieben Konzerten in den vier Wintermonaten das Gegenteil. Hochkarätige Künstler füllen große Hallen und Kirchen (ca. 500 Plätze), hohe Eintrittspreise, Abendveranstaltungen – trotzdem sämtlich ausverkauft. Offenbar profitieren die Musiktage von der Entfernung zur nächsten Großstadt. Man fährt nicht mal eben 100 km für einen Konzertbesuch. Auch der Musiksommer, ein Festival mit acht Veranstaltungen in nur eineinhalb Wochen erfreut sich großer Nachfrage. Sicher trägt auch eine geschickte Marketingstrategie zum Erfolg bei. Aber auch hier muss auf Sponsoren zurückgegriffen werden.

Dieser kleine Ausflug ins Osnabrücker Land zeigt, herausragende klassische Konzerte gibt es auch im ländlichen Raum. Wie gut sie angenommen werden, hängt von Faktoren wie Lage, Preis, Marketing u.v.m. ab. Eins ist allen Veranstaltung gemein: ohne Sponsoren oder öffentliche Gelder keine Kultur.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade zum Thema Kultur und Kulturtourismus im ländlichen Raum #KulTourRaum. Ein Kooperationsprojekt von Kultur hoch N und Zeilenabstand.net.

2 thoughts on “Musik-Festivals im ländlichen Raum – ein Blick ins Osnabrücker Land”

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