Vor einigen Monaten war ich gerade auf meinem täglichen Kontrollgang durch die Ausstellungsräume, im ersten Ausstellungsraum fand ich ein Bonbonpapier auf dem Boden liegen. Ohne groß darüber nachzudenken hob ich es auf und steckte es in meine Jackentasche, um es später zu entsorgen. Wahrscheinlich ist es einem Besucher aus der Tasche gefallen. Einen Raum weiter ein weiteres Papier. Erneut hob ich es auf. Wunderte mich nur kurz. Doch als ich im übernächsten Raum direkt zwei weitere Papiere auf dem Boden fand keimte in mir der Verdacht auf, dass sie nicht einfach nur aus Unachtsamkeit auf dem Boden gelandet sind. Wenig später sollte sich mein Verdacht bestätigen. Ich beobachtete, wie eine Großmutter mit ihrem Enkel durch das Museum schlenderte, als das Kind die Hand aussteckte, mit den Worten „Noch eins!“, woraufhin die Oma ein Bonbon aus der Handtasche holte, es auswickelte, dem Kleinen in den Mund steckte und das Papier achtlos fallen ließ. Ich mischte mich in die Szenerie ein, bot darum das Papier aufzuheben und erhielt die Antwort „Warum? Sie haben doch Personal dafür.“

Diese Begebenheit gab es nur einmal, es ist in all den Jahren noch nie vorgekommen, dass ein Besucher mutwillig die Museumsräume verschmutzt, doch es ist ein Umstand, der mich sehr verärgert hat, denn der Gedanke es gäbe extra Personal dafür, das nur dafür da ist, um hinter den Besuchern aufzuräumen, macht mich traurig und wütend zugleich.

Nur, weil es Reinigungspersonal gibt, bedeutet das noch lange nicht, dass man einen Ort, ob Museum oder anderer kultureller Raum, nutzen könnte, wie es einem beliebt! Als Besucher erwartet man saubere, ordentliche Räumlichkeiten und zwar im Ausstellungsbereich, am Empfang und auch auf den Toiletten. Ja, die meisten kulturellen Einrichtungen haben dafür Reinigungspersonal oder eine Firma. In manchen kleinen Museen ist für die Sauberhaltung aber auch das Museumpersonal zuständig. Die Grundreinigung erfolgt zumeist bevor die Besucher*innen die Häuser betreten. In seltenen Fällen auch während der Öffnungszeiten (was wohl vor allem bei großen Museen gewährleistet werden kann). Das bedeutet, dass während der Öffnungszeiten die Räumlichkeiten nur sauber gehalten werden können, wenn sie nicht mutwillig verschmutzt werden.

Im Prinzip sollte das jedem bewusst sein. Doch machen wir uns nichts vor: Jeder von uns kennt zum Beispiel den Zustand öffentlicher Sanitäranlagen. Aus irgendeinem Grund benehmen sich hier viele Menschen so, als würde nach ihnen die Putzkolonne auftreten. Ich habe noch nie verstanden, warum sich die Menschen so benehmen. Man akzeptiert es irgendwann einfach, dass es so ist, und schluckt seinen Ärger hinunter.

Doch warum sollte man das? Es ist an der Zeit, dass auch das Reinigungspersonal in kulturellen Einrichtungen nicht mehr nur existiert, sondern auch respektiert wird.

Ich habe als Studentin mal in einem Bürogebäude gearbeitet, in dem die Reinigungskraft von niemandem gegrüßt wurde. Sie erschrak als ich sie grüßte, als ich ihr im Treppenhaus begegnete. Das war ein Moment den ich nie vergessen werde. Denn an diesem Tag wurde mir das erste Mal bewusst, wie selbstverständlich Sauberkeit gesehen wird. Dann kam das Jahr 2020 und brachte die erste Pandemieerfahrung für wohl 99,8 Prozent der Menschen mit sich. Und plötzlich stand Hygiene und Sauberkeit ganz oben auf der Liste der Schutzkonzepte. Museen und kulturelle Einrichtungen durften nach dem ersten Lockdown nur unter strenger Einhaltung festgelegter Hygienekonzepte wieder öffnen. Das bedeutete mehrmals täglich, besser sogar stündlich oder nach jeder Benutzung: Oberflächen reinigen und desinfizieren. Die Besucher wurden angehalten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Hygieneregeln einzuhalten. All das Einzuhalten und die Einhaltung der Maßnahmen zu gewährleisten, war nur möglich dank der herausragenden Arbeit des Reinigungspersonals. Nie zuvor war es so wichtig, dass die Sauberkeit der Räumlichkeiten eingehalten wird und trotzdem sieht niemand, wem dies zu verdanken ist!

Ich denke es ist an der Zeit eben diesen Personen den Respekt zu zollen der ihnen zusteht. Ohne den Einsatz dieser Personen dürften Museen und andere Einrichtungen nicht öffnen. Als vor einigen Monaten das Wort „systemrelevant“ in aller Munde war, dachte man zumeist an Pflegepersonal und Ärzte. Doch ich denke an das Reinigungspersonal, das Tag für Tag dafür sorgt, dass man sich in öffentlichen Einrichtungen, wie Museen oder kulturellen Einrichtungen sicher fühlen kann. Grüßt sie, dankt ihnen für ihren unermüdlichen Einsatz und vor allem: habt Respekt!

Natürlich werden die meisten Leser*innen dieser Zeilen sich nicht angesprochen fühlen und das ist auch gut so, aber ich denke dennoch, dass es nicht schaden kann, sich hin und wieder bewusst zu werden, wie unendlich wichtig ihre Aufgabe für uns ist.

Vielen Dank, für euren Einsatz!

„Sauber“ by mkorsakov is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Stefanie Karg
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