17 Jahre ist es her, seit die erste „Lange Nacht der Museen“ in Berlin stattfand. Damals, im Jahre 1997 aus einer noch kleinen Idee geboren, ist sie mittlerweile eines der Kultur-Highlights vieler deutscher Städte.

In ihrer Heimatstadt ist daraus mittlerweile ein stadtweites Großereignis geworden. Hier, wie auch in fast jeder Großstadt öffnen einmal im Jahr (fast) alle Museen, Sammlungen, Archive, Gedenkstätten und Ausstellungshäuser ihre Türen. Das Besondere ist die Uhrzeit, denn während der normale Museumsbesuch meist nur bis 17 oder 18 Uhr möglich ist, öffnen die Häuser an diesem einen Abend bis Mitternacht, oder auch weit darüber hinaus.

Was ist der Hauptgedanke der Langen Nacht?

11930958483_fd9668d21f_c Das Ziel der „Erfinder“ der Langen Nacht war es, neue Besucherkreise    auf kulturelle Einrichtungen aufmerksam zu machen. Dadurch entstand die Gemeinschaftsaktion mehrerer Museen und Kultureinrichtungen an einem Ort gemeinsam bis in die Nacht, also außerhalb der regulären Öffnungszeiten, geöffnet zu haben und die Veranstaltung gemeinsam zu vermarkten. Man erhoffte sich somit nicht nur die Stammkundschaft zu erreichen, sondern (und vor allem) auch die Nicht-Museumsbesucher. Durch die außerregulären Öffnungszeiten wollte man die Jugend erreichen. Denn Museen kämpfen vor allem bei Jugendlichen gegen das Vorurteil an, alt, verstaubt und langweilig zu sein. Aber auch die arbeitende Bevölkerung sollte angesprochen werden, da nach einem normalen Arbeitstag für viele gar nicht die Möglichkeit besteht, außer an Wochenenden und Feiertagen, ein Museum zu besuchen.
Um die Lange Nacht möglichst ansprechend zu gestalten, wird dem Besucher durch eine gemeinsame Eintrittskarte der Zugang zu allen beteiligten Einrichtungen ermöglicht. In großen Städten ist auch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu den Veranstaltungsorten in der Eintrittskarte inbegriffen. Zusätzlich zur Öffnung der Ausstellungen werden vielerorts auch Sammlungen geöffnet, die normalerweise nicht regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich sind. So öffnet die Universität Leipzig unter anderem ihre Lehrsammlungen. In vielen Städten findet die Museumsnacht unter einem bestimmten Motto statt. Die Institutionen bieten dem Motto entsprechende Veranstaltungen an. Beginnend bei entsprechenden Führungen durch die Sammlungen, über Vorträge und musikalische Darbietungen, bis hin zu Lichtinstallationen und Theatervorstellungen. Je nach Jahreszeit auch unter freiem Himmel.

Die Erfolgsgeschichte

Schnell stellte sich das Konzept als sehr erfolgreich heraus, das regelmäßig eine große Zahl von Besuchern anzieht. Inzwischen finden Museumsnächte in über 120 Städten statt. Neben der Berliner „Langen Nacht der Museen“ sind auch die „Nacht der Museen“ in Frankfurt und Offenbach am Main sehr bekannt. Aber auch in unzähligen weiteren Städten gehören die Museumsnächte zum festen Jahresprogram. Unter anderem finden Museumsnächte in Bielefeld, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Jena, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Köln, Leipzig, Ludwigshafen, Lübeck, Mainz, Mannheim, München, Münster, Nürnberg, Oldenburg, Rostock, Stuttgart und Weimar statt. Eine aktuelle Liste aller deutschen Museumsnächte findet sich hier.

Auch außerhalb Deutschlands konnte sich das Format etablieren. So finden seit 2000 „Lange Nächte der Museen“ in Österreich, Südtirol und Liechtenstein statt. In Polen wurde 2003 die erste “Noc Muzeów” vom Posener Nationalmuseum organisiert. In der Schweiz gibt es seit 2003 Museumsnächte in Basel und Bern. In Luzern, St. Gallen und Zürich finden sie bereits seit 1999 statt. Aber auch in der Slowakei und der Tschechischen Republik findet das Profil Anklang.

Die zahlreichen Führungen, Ausstellungen und Sonderaktionen laden dazu ein, die kulturellen Schätze der großen und kleinen Metropolen zu erforschen. Neben den etablierten Museen und Ausstellungshäusern warten viele unbekannte und sogar nur zur Langen Nacht zugängliche Orte darauf, von den Besuchern entdeckt zu werden. Ob hochkarätig, spannend oder kurios, der Besucher entscheidet, wohin ihn seine nächtliche Reise führt.

Mittlerweile sind unter den Besuchern alle Altersgruppen anzutreffen. Viele von ihnen sind passionierte Museumsgänger, die die Lange Nacht besonders gern nutzen, um neue Häuser und Orte zu erkunden. Eine Tendenz, die besonders zur Langen Nacht auffällig ist: Museumsbesuche werden generell lieber in Gesellschaft unternommen. Das Gemeinschaftserlebnis steht im Vordergrund und ist einer der Beweggründe der Besucher an der Veranstaltung teilzunehmen. Nur jeder zehnte Besucher ist allein unterwegs. Doch auch für Familien ist das Format ein Ereignis, weshalb sich die Museen mittlerweile bemühen, immer neue, altersgerechte Angeboten für den Museumsbesucher der Zukunft anzubieten. Mit speziellen Programmen, Führungen und Mitmach-Aktionen kann sich der Nachwuchs in das Abenteuer Museum stürzen.

Zusammenarbeit

Das wichtigste Element der Langen Nacht ist die Zusammenarbeit. Die Museen stärken ihren gemeinsamen Auftritt. Besonders die Wahrnehmung der Museumslandschaft einer Stadt als Gemeinschaft wird so bei dem Besucher geschärft. Konnte ein mittelgroßes Museum vor einigen Jahren noch „sein Ding“ machen, ist es heutzutage immer schwieriger als Einzelkämpfer auf dem Markt zu bestehen. Kooperation spielt eine wichtige Rolle. Was dem Besucher der Langen Nacht verborgen bleibt, ist die Arbeit hinter den Kulissen.

Die gemeinsamen Treffen der Museumsvertreter sind zeitintensiv und emotionsgeladen. Von der Terminfindung, über das Motto, bis hin zur Organisation des gemeinsamen Programmes ist es oft ein langer Weg. Dem Besucher bleibt dieses Zusammenspiel der Akteure verborgen. Für ihn steht das Erlebnis im Vordergrund. Damit die Veranstaltung attraktiv bleibt, veranstalten die Museen mittlerweile vielerorts ein großes gemeinsames Festival. An diesem einen Abend wird ein besonderes Programm und Angebot präsentiert. Die Herausforderung der Veranstalter ist hierbei, dass sich in den meisten Städten diese anspruchsvolle Veranstaltung über Jahre hinweg selbst trägt. Und das ohne Subventionen. Dabei erfreut sie sich einer treuen Anhängerschaft, sowie großer Medienaufmerksamkeit und verbindet Hochkultur und Event erfolgreich und erlebnisorientiert. Damit sich die Museen, Sammlungen, Gedenkstätten und Archive zu dieser ungewöhnlichen Stunde präsentieren können, ist also viel Arbeit notwendig.

5048175132_76a9b6e7c0_zHäufig werden auch Kooperationen zu den lokalen Anbietern der öffentlichen Verkehrsbetriebe geschlossen, damit Bus-Shuttle die teilnehmenden Häuser miteinander verbinden. So kann der Besucher ohne große Probleme mehrere Museen in einer Nacht erkunden. Auch die gemeinsame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit darf nicht verachtet werden. Durch Marketing und Werbung werden die Besucher auf den Veranstaltungstag und die teilnehmenden Häuser aufmerksam gemacht. Da die Koordination mit steigender Teilnehmerzahl immer aufwendiger wird, gibt es vielerorts gemeinnützige Gesellschaften, die die Gesamtkoordination verantworten, sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern und die gesamte Infrastruktur und Logistik organisieren. Letztendlich sind vor allem die Medienpartner für ein erfolgreiches Gelingen unentbehrlich. So gehören die Kontakte zu regionalen und in Großstädten auch überregionalen Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern, aber auch Sponsoren zu den wichtigsten Instrumenten, um dem Besucher die neue, interessante und spannende Welt des Wissens und des kulturellen Reichtums erfolgreich zu vermitteln.

Das Original aus Berlin

Auf der Website der Langen Nacht der Museen Berlin findet man folgende Beschreibung:

Das 1997 in der Hauptstadt „erfundene“ Event ist heute mit bis zu 100 teilnehmenden Museen auf einer Fläche von fast 400 km² eines der größten Events in Berlin. Verschiedene Bus-Shuttle-Routen verbinden die teilnehmenden Häuser. Hier findet die „Lange Nacht der Museen“ – eine Gemeinschaftsveranstaltung der Berliner Museen mit Kulturprojekte Berlin – einmal im Jahr am Vorabend des Internationalen Museumstags statt. Dann laden die Museen von 18 Uhr bis 2 Uhr morgens zum Entdecken, Schlendern, Austauschen und Erleben ein. Im diesem Jahr standen am 17. Mai 2014 insgesamt 80 Türen für den Besucher offen. Sie führen in weltberühmte Sammlungen, zu Berliner Originalen, unbekannten Kulturen oder (einst) heißgeliebten Dingen.

Im diesem Jahr gab es in der Hauptstadt eine Premiere, denn wer um 2 Uhr noch nicht genug hatte, konnte am nächsten Tag noch einmal losziehen: zum Internationalen Museumstag. Das Lange-Nacht-Ticket galt am Sonntag, dem 18. Mai, in nahezu allen Museen, die an der Langen Nacht teilgenommen hatten und sonntags geöffnet haben. Die Staatlichen Museen zu Berlin boten maßgeschneiderte Führungen für unterschiedliche Besuchertypen an. So erhielt der Eilige anhand ausgewählter Objekte einen ersten Eindruck, während den Kenner bisher übersehene Details überraschten und den Neugierigen unglaubliche Geschichten fesselten. Mit Hilfe eines Übersichtsplans und assistiert von freundlichen Besucherbetreuern, konnte sich jeder zwischen 18 und 2 Uhr auf Entdeckungstour begeben und sich entweder von den Shuttle-Bussen zum Museum seiner Wahl bringen lassen oder die Quartiere zu Fuß erkunden. Zwischen Lustgarten, Nikolaiviertel und Auguststraße waren zahlreiche große und kleine Museen zu entdecken, ebenso wie rund um den Checkpoint Charlie. Wer zwischendurch eine Pause brauchte, konnte an vielen Orten ausruhen, etwas trinken und das Treiben beobachten. In diesem Jahr war die Lange Nacht laut Pressestimmen wieder sehr erfolgreich. Die Besucher nahmen vor allem das Angebot, am Sonntag nochmals in die Häuser zu kommen, sehr dankbar an. Einer Wiederholung steht demnach nichts im Weg.

Alles, was man wissen muss…

Kunstfans, historisch Interessierte, Entdeckungslustige, Vergnügungssüchtige, bestehende und zukünftige Museumsfans und alle, die Freude am Erkunden neuer Kulturlandschaften haben, finden hier eine Liste mit interessanten Links zum Thema:

Das Original aus Berlin:

http://www.lange-nacht-der-museen.de/
Liste der noch bevorstehenden Museumsnächte: http://www.portalkunstgeschichte.de/themen/lange-nacht-der-museen-2014
http://www.museums-naechte.de/

 

Artikelbild: von twicepix

Beitragsbilder: Naturhistorisches Museum, Wien von Alexander Russy und Treffpunkt Museum von Mario Spann

 

Stefanie Karg
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