Medienbeobachtung – Mehr als nur Zeitung lesen

[Beitragsbild: Photo courtesy of NS Newsflash at Flickr Creative Commons: http://www.flickr.com/photos/62693815@N03/]

Nicht nur in kulturellen Einrichtungen gehört es zum alltäglichen Betrieb die Tagespresse nach Einträgen das Haus betreffend zu „scannen“. In der Regel werden die Zeitungen mühsam von den Mitarbeitern „gelesen“. Zeitungsberge stapeln sich besonders nach dem Wochenende oder Feiertagen und trotz größter Aufmerksamkeit ist es schnell einmal passiert, dass ein Artikel, in dem die Einrichtung nur „erwähnt wird“, dem Leser entgeht.

Muss das so sein?

Das digitale Zeitalter bietet auch hier bessere Lösungen: Monitoring-Dienste. Die Möglichkeit, sich automatisch und regelmäßig über neue Beiträge informieren zu lassen, sobald sie erscheinen sind, existiert schon seit mehreren Jahren. Spätestens seit Beginn der Blog-Kultur und des WEB 2.0 können sich interessierte Leser per RSS-Feed über jeden neuen Artikel automatisch informieren lassen. Die Einschränkung auf spezielle Suchbegriffe war aber kaum möglich, höchstens konnten je nach RSS-Feed nur bestimmte Kategorien abgegriffen werden.

Alert-Dienste

Die großen Internet-Suchmaschinen erkannten bald den Marktwert der sogenannten Alert-Dienste. Doch was sind Alert-Dienste überhaupt? Die kurze Erklärung ist: Es sind Informations-Dienste, die den Benutzer informieren, sobald es zu einem zuvor festgelegten Suchkriterium neue Einträge in der jeweiligen Suchmaschine gibt. Sprich: Das Programm sendet dem Benutzer in einem von ihm festgelegten Zeitraum (täglich, wöchentlich oder bei jeder Aktualisierung zum Thema) eine E-Mail mit dem Verweis auf den neuen Beitrag im Internet. So ist es heute möglich, über fast jede Suchmaschine eine individualisierte Anfrage anzumelden. Das lästige durchsuchen mit Hilfe von Datums-, und Uhrzeitbeschränkung („Zeige mir alle Beiträge zum Thema XY der letzen 24 Stunden.“) entfällt. Je nachdem, wie genau die Anfrage definiert wird können so auch allgemeinere und spezifischere Ergebnisse angezeigt werden.
Doch das ist noch lange nicht alles. Die den Markt dominierenden Suchmaschinen bieten auch Alert-Dienste speziell für klassische Nachrichtenquellen an. Es ist möglich, systematisch nach bestimmten Begriffen in Onlineausgaben von Zeitungen, Zeitschriften usw. suchen zu lassen. Von den Diensten, die Inhaltsverzeichnisse von wissenschaftlichen Fachzeitschriften durchsuchen, soll hier gar nicht erst die Rede sein.
Bei dieser Fülle an Möglichkeiten ist die Frage mehr als gerechtfertigt, warum diese Methode der Recherche nach wie vor, selbst an großen kulturellen Einrichtungen, recht stiefmütterlich behandelt wird. Große Museen und Tourismuseinrichtungen können sich professionelle Medienbeobachter leisten. Diese nutzen in der Regel aber auch eben nur die Dienste, die auch den Einrichtungen zur Verfügung stehen. Genau deswegen ist es eine Überlegung wert der „modernen Technik“ eine Chance zu geben.

Was in der Zeitung steht

An vielen Einrichtungen, so scheint es, wird sowohl die automatisierte als auch die händische Medienbeobachtung des Internets als „Zeitverschwendung“ angesehen. Zwar drängt die Generation, die das Internet als hauptsächliche Informationsquelle nutzt, in den letzten Jahren verstärkt in kulturelle und touristische Einrichtungen, trotzdem ist die konservative Ansicht, dass nur das, was in der Zeitung steht, auch wirklich von Belang ist, noch weit verbreitet.  Dabei liegt der Nutzen dieser klar auf der Hand: Die oft sehr zeitaufwendige Recherche nach bestimmten Keywords im Internet kann durch Alerts und Monitoring-Tools um ein Vielfaches verringert werden. Die automatische Überwachung auf Neuigkeiten lässt sich mit Hilfe der Such-Syntax sehr genau auf das jeweilige Thema anpassen und die Ergebnisse nach Qualität und Relevanz filtern.

Ein Beispiel dazu: Das Norddeutsche Knopfmuseum hat derzeit eine Sonderausstellung zum Thema „Berühmte Persönlichkeiten auf Knöpfen“ und möchte wissen, welches Medium wann und wie oft über diese Ausstellung berichtet. Also richtet man einen Alert z.B. bei Google ein. Da man vor allem an Artikeln interessiert ist, die sowohl das Museum, als auch den Titel der Sonderausstellung nennen, werden im Suchfeld die Begriffe mit AND eingetragen. So wird festgelegt, dass beide Begriffe im Text auftauchen müssen. Die Suchanfrage könnte dann lauten: Norddeutsches Knopfmuseum AND Berühmte Persönlichkeiten auf Knöpfen. Ähnlich funktionieren Syntax-Optionen, wie OR oder ein Minus vor dem Wort (bei machen Diensten auch AND NOT). Mit OR werden alle Ergebnisse angezeigt, in denen das Norddeutsche Knopfmuseum oder Berühmte Persönlichkeiten auf Knöpfen erwähnt wird. Bei einer Suchanfrage mit einem Minus (AND NOT) dementsprechend nur diese, in denen es nur um das Norddeutsche Knopfmuseum geht, aber nicht um Berühmte Persönlichkeiten auf Knöpfen. Wenn man die Suchoptionen optimieren möchte ist dies mit Hilfe von Anführungszeichen am einfachsten umzusetzen, denn dann werden nur Ergebnisse angezeigt, bei denen die Schreibweise exakt der in der Suchanfrage entspricht. Also z.B. „Norddeutsches Knopfmuseum“. Jetzt werden Ergebnisse ausgefiltert, die Beispielsweise Buchstabendreher oder Abkürzungen enthalten. Die Liste der Syntax-Optionen kann noch um einiges fortgesetzt werden und ist bei jeder Suchmaschine mehr oder weniger umfangreich. Bei Google ist die Syntax-Liste mit der der gängigen Web-Suchoperatoren identisch. Natürlich können alle Optionen auch kombiniert werden können. So lassen sich die Ergebnisse sehr genau auf die Bedürfnisse anpassen. Dennoch muss man sich bei der Spezifizierung der Suchbegriffe immer im klaren darüber sein, dass man durch nähere Begriffsbestimmung zwar belanglose Ergebnisse gezielt ausfiltern kann, zu genaue Definitionen jedoch auch verhindern können, dass man über wichtige neue Inhalte informiert wird.
Sind alle Suchparameter festgelegt, muss nur noch bestimmt werden, wie oft man Aktualisierungen wünscht. Dies kann täglich, wöchentlich oder sogar direkt bei Veröffentlichung per E-Mail erfolgen – völlig ohne Zeitaufwand ist man so immer auf dem aktuellen Stand der Dinge. Zudem sind die meisten gängigen Tools, wie Google Alerts oder Talkwalker Alerts unentgeltlich verwendbar.
Natürlich sind aber auch die Nachteile nicht zu verschweigen, denn bei den jeweiligen Anbietern werden nur die Inhalte von Webseiten und Blogs überprüft, die auch bei der Suchmaschine verzeichnet sind. Social Media Portale wie Facebook, Twitter, Google+ und Co. lassen sich mit den Tools der Suchmaschinenanbieter nicht oder nur bedingt überwachen. Hierfür werden spezielle Social Media Alert-Dienste benötigt, von denen auf dem freien Markt aber ebenfalls ausreichend verfügbar sind, wie z.B. Netvibes, Hootsuite oder Socialmention. Hier lohnt sich eine genaue Recherche, welches kostenlose oder kostenpflichtige Programm den eigenen Ansprüchen am besten genügt.

Stirbt die händische Suche aus?

Bei aller Automatisierung und allen Tools, die einem die Medienbeobachtung erleichtern können, so sind. natürlich weder die Sichtung von Zeitungen, noch die durch Personen durchgeführte Recherche im Internet obsolet geworden. Printmedien stellen weiterhin eine wichtige Informationsquelle dar. Aber auch die Erfahrung von Mitarbeitern der Öffentlichkeitsarbeit darf nicht unterschätzt werden, denn die genaue Identifizierung der Zielgruppen und deren Kommunikationskanäle ist von entscheidender Bedeutung. Zudem gibt es Kommunikationskanäle, z.B. (regionale) Foren und Communities, die in der Regel von Suchmaschinen nicht ausreichend indexiert werden. Auch die gezielte Suche in fremdsprachigen Medien bedarf noch eines versierten Mitarbeiters.

Fazit

Die Zeit ist reif, dass sich Kultureinrichtungen verstärkt den Möglichkeiten des Internets öffnen und ihre anscheinend vorhandene Scheu überwinden. Vor allem für kleinere Kultureinrichtungen, welche sich keine kostspieligen Medienagenturen leisten können, stellen diese Form der Informationsdienste eine völlig neue und vor allem zeitgemäße Art der Medienbeobachtung dar. Zeit dafür frei zu machen ist und bleibt ein Problem, aber die Investition lohnt sich. Denn nur so erfahren Einrichtungen, was außerhalb von den üblichen Zeitungen über sie berichtet wird.

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Stefanie Karg

Kunsthistorikerin M.A.
Fachreferentin für Kulturtourismus und -marketing
Arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Schloss Moritzburg in Zeitz.
Vorstandsvorsitzende von Kultur hoch N e.V.
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