2014 – 25 Jahre – Ein einmaliges „Erlebnis“

Das Jahr 2014 stellte den bisherigen Höhepunkt aller bisherigen Feierlichkeiten dar. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Friedlichen Revolution wurde erstmalig der gesamte Leipziger Innenstadtring temporär für den Individualverkehr und ÖPNV gesperrt. Eine Strecke von 3,6 Kilometern wurden Lichtinstallationen und Kunstprojekte an mehr, als 20 Stationen eingerichtet. Ziel war es Leipzigern und Gästen ein gemeinsames, würdiges Gedenken an die Ereignisse im Herbst 1989 zu ermöglichen und zugleich Raum für eigene Reflexionen zu lassen. Die Besucher des Lichtfests hatten die Möglichkeit, sich entlang des historischen Demonstrationswegs von 1989 von Lichtkunst, Video, Musik, Tanz und Performance inspirieren zu lassen sowie auf dem Augustplatz mit einer Kerze den leuchtenden Schriftzug „Leipzig 89“ mitzugestalten. Erwartet wurden mehrere 10 Tausend Besucher, doch die Resonanz war weitaus größer. So fanden sich am 9. Oktober 2014 über 200.000 Besucher im Innenstadtbereich ein, um gemeinsam des 25. Jahrestages zu Gedenken. Bürger, Gäste und hochrangige politische Repräsentanten aus aller Welt kamen auf dem Augustusplatz und dem Innenstadtring zusammen. In Fernsehen, Hörfunk und Internet wurde das wichtige Ereignis live übertragen.

Die Eröffnung fand auf dem Augustusplatz statt. Grußbotschaften von Oberbürgermeister Burkhard Jung, dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich sowie weiterer hochkarätiger politischer Repräsentanten, darunter Bundespräsident Joachim Gauck sowie die Staatspräsidenten Polens, Tschechiens, der Slowakei und Ungarns – Bronislaw Komorowski, Milos Zeman, Andrej Kiska und János Áder, sorgten für eine würdige Eröffnung des Festaktes.

Im Anschluss daran starteten die Lichtinstallationen entlang des Innenstadtrings. Hier setzten sich international agierende Künstler, wie z. B. die !Mediengruppe Bitnik aus Zürich, Jonathan Richer und das Théoriz Studio aus Lyon sowie Mischa Kuball aus Düsseldorf, mit dem Herbst 1989 auseinander. Sie übersetzten die damaligen Ereignisse und Emotionen in die heutige Zeit.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie „Erwanderung“ der verschiedenen Aktionsräume war jedem Besucher selbst überlassen, lediglich die Streckenführung war vorgegeben. Tempo und Intensität des Erfahrbaren waren jedoch jedem selbst überlassen. Eine Art eigener Selbstreflektion und emotionaler Reaktion war, was sich die Künstler von den Stationen versprachen. Wenn sich Menschenmassen fortbewegen, verbindet man dies zumeist mit lauten Gesprächen und anderen Geräuschen. Doch die Geräuschkulisse dieser „friedlichen Massenwanderung“ war einmalig und nur schwer zu beschreiben. Keine lauten Rufe, kein Gelächter, keine intensiven Gespräche. Die 200.000 Besucher folgten dem Straßenverlauf des Innenstadtringes. Immer wieder in ihrer „Wanderung“ unterbrochen, durch die Installationen. Stehenbleiben, hinhören, zusehen, verstehen, erinnern, erfahren, gedenken, reflektieren. 2014 wurde beim „Lichtfest“ ein außergewöhnlicher und zugleich angemessen würdiger Abend inszeniert. Mit der Gestaltung des kompletten Stadtrings wurde, mehr, denn je, ein spezielles Leipziger Erinnerungsformat geschaffen.

1989 wurde der öffentliche Raum von den Bürgern in Besitz genommen – und heute Abend erneut. Es ist eine Stärke unserer Konzeption, dass es keine klassischen Sender und Empfänger gibt, sondern erst das Miteinander zum Ergebnis führt. Beim Lichtfest Leipzig 2014 haben Künstler und Bürger gemeinsam ein eindrucksvolles Bild geschaffen: die Bewegung der Teilnehmer auf der Straße.

Jürgen Meier, künstlerischer Leiter des Lichtfests Leipzig, Quelle: Lichtfest

Lichtfest 2015

Auch in diesem Jahr wurde die Tradition des Lichtfestes fortgesetzt. 25.000 Leipziger, Gäste und hochrangige Repräsentanten erinnerten am 9. Oktober 2015 auf dem Augustusplatz Leipzig an den Herbst `89. Unter dem Motto „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit?“ erlebten sie ein bewegendes künstlerisches Programm, das sich mit den Themen Integration und Identifikation, mit Heimat und Fremde beschäftigte. Eine multimediale Inszenierung mit Texten, Fotos, Videos und Musik stellte historische und aktuelle Bezüge her. In Beiträgen aus den Bereichen Literatur, aktuelle Nachrichten und Musik wurde das Motto kritisch hinterfragt. Ergänzt wurden die Inszenierungen von historischen Bild- und Videoaufnahmen, welche im Hintergrund auf einer großen Leinwand projiziert wurden.

„Diese Form der Erinnerung ist nicht museal, sondern bleibt lebendig, weil sie immer die Bezüge zur Gegenwart herstellt. Das Lichtfest verknüpft die Erinnerung mit den Problemen, die wir heute haben. Und das ist auf jeden Fall der richtige Weg“

Florian Lukas, Schauspieler, Quelle: Lichtfest

Auch in diesem Jahr wurde der Festakt wieder von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung eröffnet. Weiterhin waren Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Oliver Bierhoff, Manager der DFB-Nationalelf, und Iris Gleicke, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer zu Gast.

Das Lichtfest ist für Leipzig mittlerweile in bedeutendes, jährliches Ereignis geworden. Jedes Jahr zieht es Leipziger und Besucher der Stadt auf den Augustusplatz, um in Frieden zu Gedenken und auch das vergangene Jahr, zum Teil auch kritisch, zu reflektieren.

„Für das Stadtmarketing ist die Friedliche Revolution ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal und deshalb von großer Bedeutung: Für Leipzig selbst, aber auch in der Außendarstellung ist die Friedliche Revolution ein wichtiger Baustein im Leipzig-Bild.“

Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, Quelle Lichtfest

Auch 2016 wird das Lichtfest wieder am 9. Oktober auf dem Augustusplatz in Leipzig stattfinden. Alle wichtigen Informationen, Rückblicke, historisch Hintergründe, Impressionen und Videos zum Lichtfest finden Sie hier.

 

Beitragsbilder: Private Aufnahmen und „Auf dem Ring“ von David~.

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Stefanie Karg

Kunsthistorikerin M.A.
Fachreferentin für Kulturtourismus und -marketing
Arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Schloss Moritzburg in Zeitz.
Vorstandsvorsitzende von Kultur hoch N e.V.
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