In meinem Beitrag zur Blogparade hatte ich angekündigt, ins Palthe Huis in Oldenzaal gehen zu wollen, um den Museumsbesuch in den Niederlanden unter Coronabedingungen zu testen. Dazu kam es nicht. Stattdessen kann ich nun von einer Reise nach Amsterdam und Leiden berichten. Zwischen dem 2. und 5. August habe ich dort sechs Museen/Ausstellungen besucht.

Ohne Onlineticket geht gerade nix

Die Planung meiner Kurzreise verlief eher holprig. Ohne Ticketvorbestellung geht seit der Wiederöffnung der Museen am 1. Juni (fast) gar nichts. Genieße ich es sonst, mit der Museumkaart überwiegend spontan sein zu können, galt es nun, strikte Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten für den Einlass einzukalkulieren. Trotz deutlich geringerer Touristenzahlen kann man wegen der zwecks Abstandregelung gesenkten Besucherzahlen bei der Onlinebuchung schnell leer ausgehen. Dann kann man schon Tage im Voraus nicht einmal die ganz frühen oder späten Einlasszeiten ergattern. Seit längerer Zeit gibt es das Verfahren bereits beim Anne Frank Haus, wo auch „vor Corona“ bereits 80% der Tickets nur online verkauft wurden.

Überhaupt ist das mit dem Scheitern bei der Buchung vom Ausland aus recht einfach: Viele Museen, Kinos und Konzertveranstalter bieten als Bezahlmöglichkeiten im Onlineshop ausschließlich Kreditkarte und iDeal an. Da iDeal (entspricht SofortBanking) nur mit Konten bei niederländischen Banken funktioniert, wäre man als Kreditkartenverweigerer unfähig, zu buchen. In zwei Fällen habe ich bei Recherchen über meine eigenen Museumsplanungen hinaus das internationale Klarna-Sofortbanking als Option entdeckt, mehrfach auch PayPal mit gut verschmerzbaren 5% Serviceaufschlag. Mit meiner Museumkaart musste ich bei fünf der sechs Museen, die ich besuchen wollte, nichts bezahlen.

Höfliche Nachfrage beim Kino Cinecenter, in das ich in Amsterdam oft gehe, ergab eine ebensolche Antwort, dass mein Vorschlag einer Einführung von PayPal oder Klarna als Zahlungsmethoden toll sei und man darüber mit der IT-Abteilung sprechen werde. Das Kino ist sehr international ausgerichtet und bietet fremdsprachige Filme in der Reihe CineExpat mit englischen statt der üblichen niederländischen Untertitel an. Ich durfte meinen Kinobesuch übrigens schlicht per E-Mail buchen und vor Ort bezahlen. Dies sei auch außerhalb von Coronazeiten stets möglich. Geht doch!
Etwas schroff abgewiesen wurde ich bei fast wortgleicher Anfrage am MOCO Museum, wo meine Museumkaart nicht gilt. Das ging über mehrere E-Mails hin und her, in denen man mich letztlich an die über die Stadt verteilten Ticketshops verwies. Da ich jedoch sonntags mittags anreiste, aber eigentlich am Sonntag in den letzten 90 Minuten der Öffnungszeit hin wollte, in der zwei Tage zuvor noch freie Plätze waren, schien das unpassend. Mein Stammhotel hat dann für mich gebucht.

Kein Ticket mehr nötig

Einem Museum, an dem ich schon häufiger vorbeigelaufen war, aber das mich persönlich nie gereizt hat, brachte die coronabedingte Zwangspause das Ende. Das Tassenmuseum (Taschenmuseum) an einem der schönsten Abschnitte der Amsterdamer Keizersgracht hatte vorher schon mit Schieflage zu kämpfen. Im April wurde beschlossen, dass es keine Wiederöffnung zum 1. Juni geben würde. Die Facebookseite ist verschwunden, die Website gibt nur noch eine Pressemitteilung aus.

Tassenmuseum
Das Taschenmuseum wird nicht wieder öffnen

Maske oder nicht?

Weiterhin gültig ist die seit dem 1. Juni eingeführte Maskenpflicht im ÖPNV. Eine landesweite Einführung einer Pflicht zum Tragen einer Maske in Supermärkten oder bei Behörden wird auch weiterhin von der Politik nicht angestrebt.

Im Unterschied zu deutschen Museen, wo das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend ist, machen die Niederlande bis jetzt (Anfang August 2020) dazu keinerlei Vorschriften. Stattdessen erfasst man Daten zur Rückverfolgung bei der Onlineticketbestellung: den vollständigen Namen, E-Mailadresse und teilweise Handynummer sowie das Herkunftsland. Gleiches gilt in Kinos und andere Veranstalter.

Einige Restaurants arbeiten mit QR-Codes am Eingang, mit denen man zu einem Registrierungsformular gelangt. Dies ersetzt die umständliche Zettelwirtschaft in Restaurants, die uns in Deutschland begegnet, ist aber datenschutzmäßig sicherlich fragwürdig. Registrieren musste ich mich in den großen Foodhallen in Amsterdam, jedoch z.B. nicht bei De Stal in Leiden, wo ich verabredet war. Gesehen habe ich Lokale am touristenreichen Leidseplein, die Namen und Handynummern aufschrieben. Erst seit dem 10. August gelten endlich einheitliche Registrierungsvorschriften, die aber auf reine Freiwilligkeit der Gäste setzen, ihre Daten anzugeben. Der zusätzliche Arbeitsaufwand hat scharfe Kritik des niederländischen Gaststättenverbands auf den Plan gerufen.
Eine Mundschutzpflicht besteht weiterhin weder für Gäste jenseits ihres Sitzplatzes noch für das Bedienpersonal. Vor allem letzterer Umstand kam mir merkwürdig vor.

Wenn man, so wie ich und vereinzelt auch andere, vorsichtshalber in den Museen mit Maske lief, erntete man irritierte Blicke einiger Besucher, vor allem aber Zustimmung der Museumsmitarbeiter. Nicht wenige Museen sind auch längst auf den „Modefaktor Maske“ gekommen. In ihren Shops bieten sie Masken an mit dem Museumslogo oder Sprüchen. Seit dem 5. August – meinem Abreisetag – gelten in Amsterdam und Rotterdam an bestimmten stark frequentierten Plätzen/Straßen zusätzliche Maskenpflichten, um die zuletzt wieder stark gestiegenen Fallzahlen einzudämmen. In Amsterdam betrifft dies z.B. die beliebte Einkaufsstraße Kalverstraat oder De Wallen (dem Rotlichtviertel mit hoher Coffeeshopdichte). Sollten die Fallzahlen weiter in die Höhe schnellen, wird das sicherlich ausgeweitet. Die allgegenwärtigen Amsterdamer Souvenirshops bieten an Ständern vor dem Laden anstelle der üblichen Magnete und Schlüsselanhänger plötzlich überteuerte Einmalmasken an. Da müssen Unvorbereitete tief in die Tasche greifen.

Souvenirshops bieten neuerdings Einmalmasken an

Besuchte Museen und Ausstellungen

Selten vergeht ein Besuch in Amsterdam, ohne dass ich das Rijksmuseum betrete oder zumindest den Sonderausstellungsteil des Van Gogh Museums anschaue. In diesem Fall hatte ich mich bewusst gegen diese zwei „Dauerbrenner“ der beliebten Museen entschieden, auch wenn sie derzeit weniger überlaufen sind.

Allgegenwärtig sind Spender für Handdesinfektionsmittel, meistens auf jeder Etage erneut. Die festen Routen der Laufrichtungen mit Absperrbändern oder den allgegenwärtigen Acrylglasscheiben und andere Trennmaßnahmen machten es in Museen teilweise unmöglich, Uninteressantes zu überspringen und lassen selektive Besuche von Teilausstellungen oder am Ende ein „da schaue ich nachher nochmal genauer“ nur bedingt zu. Im Falle von schmalen Treppen, die dann zwecks Trennung der Laufrichtung auch noch zweigeteilt werden müssen, scheitern sehr korpulente Personen, die sich nicht seitlich dort entlang quetschen mögen oder können.

Treppe im MOCO
Halbierte schmale Treppe zum oberen Stockwerk des MOCO


World Press Photo 2020

Die jährlich durch viele Städte reisende Ausstellung, die in der Nieuwe Kerk Amsterdam ihren Anfang nimmt, ist im Normalfall eine emotionale Achterbahn voller aufrüttelnder und rührender, wütend machender und einfach auch schönen Fotografien. Die Kirche ist sehr groß und an den meisten Stellen ist ein Laufen auf Abstand sehr gut möglich. Leider war die Ausstellung so angelegt, dass man immer auf Abstand auch zu den Fotografien blieb. Ein Eintauchen in die Bilder war im Gegensatz zu anderen Jahren nicht gut möglich, die Begleitapp war weniger ausführlich als ich es in Erinnerung hatte und vor allem die Pflicht, rund 2m Abstand zu den Bildern zu halten, nahm mir viel vom Erlebnis. Die Besucherführung war gut durchdacht, aber hielt einige nicht davon ab, kreuz und quer zu laufen oder entgegen der vorgegebenen Richtung. Touchdisplays im Bereich Film waren weder abgeschaltet noch war Desinfektionsmittel in der direkten Nähe. Aus hygienischen Gründen abgebaut waren aber die in anderen Jahren vor den Filmleinwänden hängenden Köpfhörer. Sie waren ersetzt durch herabhängende runde Lautsprecher, Sitzgelegenheiten waren teilweise entfernt.

WorldPressPhoto2020
WorldPressPhoto2020 in der Nieuwe Kerk am Dam

foam

Das Amsterdamer Museum für Fotografie ist nicht besonders groß. Hier wollte ich die Ausstellung mit Farbfotografien von Vivian Maier sehen. Die Laufwege waren gut vorgegeben, widersprachen aber teils etwas der Logik der ursprünglichen Hängung. Ich glaube, das nehmen alle mit Verständnis hin. Dort, wo ein Aufeinandertreffen in zwei Richtungen unumgänglich war, wurde ein Türdurchgang schlicht durch Absperrung halbiert. Teile der Dauerausstellung waren nicht besuchbar.

Sonst ein absolutes No Go, war es dieses Mal gestattet, auch größere Taschen im Museum bei sich zu tragen, denn die Schließfächer waren gesperrt. Dort können keine Sicherheitsabstände eingehalten werden.

foam - Vivian Maier
Blick in den ersten Raum der Sonderausstellung
mit Farbfotografien von Vivian Maier

Joods Historisch Museum

Die Dauerausstellung ist immer einen Besuch wert, die Sonderausstellungen werden ebenfalls sehr gut ausgearbeitet. Vor allem Charlotte Salomons Bildgeschichte habe ich ausgiebig angeschaut.
In den Etagen der Dauerausstellung war ich verwundert darüber, dass man an den Bildschirmen die Filmchen und Bilderserien mit den Fingern auswählen durfte. Wie oft zwischendurch desinfiziert wird, weiß ich nicht. Kopfhörer, um die Tonbeiträge zu hören, gibt es derzeit nicht, man kann den eigenen Kopfhörer einstöpseln, sofern man einen solchen dabei hat.
Tipp: Das Ticket für das JHM gilt übrigens immer gleich für das ganze Joods Cultureel Kwartier, so dass man für die Portugiesische Synagoge (an Sabbat geschlossen) nebenan nicht erneut bezahlen muss.

Naturalis (Leiden)

Das „Biodiversity Center“ ist angegliedert an ein Forschungsinstitut und beherbergt mit 42 Millionen Objekten eine der größten Naturkundesammlungen der Welt. Nach einem mehrjährigen Umbau präsentiert sich das Museum inzwischen noch familienfreundlicher und legt den Fokus auf verschiedene Lebensbereiche. Ich war neugierig, da ich zuletzt vor dem Umbau dort war.

Neben den gezeigten Exponaten ist vor allem die Tatsache, dass man dort Forschern bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken kann, interessant. Bereitwillig wird Auskunft gegeben über das, was gemacht wird. Auch kindgerecht gestaltete Vorträge mit brav auf Abstand sitzenden Besuchern zeigen das gelungene Spiel zwischen Familienfreundlichkeit und wissenschaftlichem Anspruch.

Die Laufwege waren klar vorgegeben, aber in den dermaßen auf Kinder ausgerichteten Ausstellungsbereichen blieb deren Einhaltung eher frommer Wunsch. Den Hygieneregelungen fallen leider einige besonders schöne interaktive Bereiche zum Opfer. Dort, wo man z.B. an Riechstationen Düfte erleben soll, ist alles verschlossen.

Museum Volkenkunde (Leiden)

Die völkerkundliche Ausstellung arbeitet eng zusammen mit inhaltlich gleich ausgerichteten Museen wie dem Tropenmuseum Amsterdam. Während man sich in dieser Konstellation in Leiden den Beinamen „ein Museum über Menschen“ gibt, trägt das Tropenmuseum den Beinamen „ein Museum über Weltkulturen“. Neben dem aktuellen Sonderausstellungsbereich habe ich nur zwei Bereiche der Dauerausstellung wieder besucht, dabei vor allem den, der mit meiner Magisterarbeit zusammen hängt.

Das Museum hat in mehrfacher Form dafür gesorgt, dass Hygieneregeln eingehalten werden können. Jeder Besucher erhielt bei Ankunft drei Gegenstände: Zur Überwachung der Besucherzahlen wurden zu tragende Magnetbuttons ausgegeben (kein Button an der Kasse = keine weiteren Besucher reinlassen), für die Schließfächer gab es einen Chip und für die nicht abgeschalteten Medienbildschirme bekam jeder besuchende Haushalt einen kleinen Bedienstift. Alles drei konnte am Ausgang in eine Kiste geworfen werden und wurde vor der nächsten Nutzung gründlich desinfiziert. Wie auch schon anderswo waren Kopfhörer abgebaut, jedem Besucher stand es frei, einen eigenen zu benutzen.

Moco

Das Museum für zeitgenössische Kunst direkt am Museumplein zieht ein durchschnittlich deutlich jüngeres Publikum an als die großen drei Museen dort (Rijksmuseum, Van Gogh Museum und Stedelijk Museum). Hier werden unter anderem Werke des Streetartkünstlers Banksy gezeigt. Laufrichtungen wurden vorgegeben, alle Treppen waren zweigeteilt, um hinaufgehende und herunter kommende Besucher voneinander zu trennen. Jeder der kleinen Räume der Villa trägt an seinen Zugängen ein Schildchen mit der Zahl, wie viele Personen bzw. Haushalte sich gleichzeitig darin aufhalten dürfen. Selbstverständlich sind die 1,5m dabei einzuhalten. Das scheitert spätestens dann, wenn Personen in einem eher engen Installationsraum in aller Seelenruhe posend Fotos schießen und damit Laufwege abschneiden. Aus dem Flur daneben stauten sich Besucher.

Banksy Graffiti im Treppenhaus des MOCO

Im Museumsgarten und auf dem nächstgelegenen Teil des Museumplein hatte ich dafür die Entfaltungsmöglichkeit, die App des Museums ungestört auszutesten.

Wieder zuhause

Es hat mir gefallen, wieder jede Menge unterschiedliche Eindrücke aufsaugen zu dürfen. Die Museen haben viele gute Konzepte entwickelt, um Hygiene- und Abstandsregelungen umzusetzen und dabei den Genuss der jeweiligen Ausstellungen nicht allzu sehr zu schmälern. Nicht immer wird die Einhaltung trotz erhöhten Personaleinsatzes auch gut überwacht.

Die Sorglosigkeit vieler Touristen und Einheimischer macht mich etwas traurig. Da kann ich selbst noch so sehr darum bedacht sein, Abstand zu halten: Wenn man angerempelt wird oder Personen haarscharf an einem vorbei laufen, sind 1,50m schlichtweg nicht vorhanden – egal ob draußen oder in Gebäuden. Vorsichtshalber habe ich auch oft dort Maske getragen, wo es nicht verpflichtend war.

Ob ich im Herbst nochmal einige Tage in die Niederlande fahren werde, bezweifle ich. Erst einmal warte ich ab, wie sich die Fallzahlen und Vorsichtsmaßnahmen entwickeln.

Am Abend vor Vollmond
Birgit Baumann
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