Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne unterwegs bin. Ein paar Tage alleine in und um Amsterdam, Den Haag, Utrecht oder anderswo ziehe ich dabei einer Fernreise vor. Natürlich sind Städtereisen per Bahn mit Museumsbesuchen gerne teurer als Pauschalflugreisen ins All-Inclusive Hotel an einem der aktuell gehypten Strände, aber ich brauche eher Futter für den Kopf als pralle Sonne auf der Haut.

Richtig ausgehungert nach dem Sehen und Erleben von Kunst und Kultur war ich vor allem in den drei Jahren, in denen ich in einer großen Kellerwerkstatt Smartphones reparierte. Dem stumpfen, aber auch Konzentration fordernden Alltag musste ich an freien Tagen etwas entgegen setzen, das ich genießen konnte. Gut für mich: Ich wohne direkt an der IC-Strecke Berlin-Amsterdam und eine Niederlandeaffinität habe ich auch. Da ist nichts naheliegender, als sich ein günstiges Hotelzimmer in einer vielseitigen niederländischen Stadt zu suchen (in Amsterdam habe längst ein Stammhotel mit hauseigenem Kater) und einfach ein paar Tage Kulturtrip zu machen. Unerlässlicher Begleiter dabei für mich seit sechs Jahren: eine Museumkaart, früher als Museumjaarkaart bekannt.

Hotelkater bei der Rezeptionsarbeit
Museumkaart

Die Museumkaart kann man sich als Universaleintrittsticket in rund 400 Museen vorstellen. Wenn sie mal nicht den kompletten Eintritt abdeckt, dann zahlt man im Normalfall nur den Aufpreis für eine Sonderausstellung hinzu. Für einmalig etwa 65 € (Der Preis wurde Ende 2018 um 5 Euro erhöht) im Jahr bedeutet das viele Vorteile und Annehmlichkeiten. Lange in der Reihe stehen? Das ist selten nötig. Als Besitzer der Karte kann der Besucher in großen Museen oft an einen eigenen Schalter oder darf den Kassenbereich direkt auslassen, um ohne Umweg an den Zugängen der Ausstellungen vom Personal den QR-Code scannen zu lassen. Andere Museen erlauben gar einen Selbst-Check in. Einige Museen bieten kostenlose Extras für Karteninhaber.

Eine Sache, die ich sehr genieße: Ist es mir in einer Ausstellung zu voll, zu wuselig und laut, oder der unerwartete Sonnendurchbruch nach Regen lockt vor die Tür, kann ich es mir erlauben, spontan das Museum zu verlassen. Schließlich kann ich zu einem anderen Zeitpunkt zurückkehren. Einfach erneut am Eingang die Museumkaart vorzeigen. Es gibt meines Wissens nach keinerlei Beschränkung auf die Anzahl der Besuche in ein und demselben Museum während der Laufzeit einer Karte. Wenn ich nachrechne, so war ich innerhalb der Laufzeit einer einzigen Karte vier Mal in Amsterdam und dabei sechs Mal im Rijksmuseum, weil ich zwei Mal so einen Doppelbesuch machte. Zur sehr gut gemachten und inzwischen nochmals deutlich erweiterten App des Museums hatte ich vor längerer Zeit schon im Blog geschrieben.

Garten des Rijksmuseum, Amsterdam
Innenhof des Rijksmuseum, Amsterdam

Für mich ein weiterer Vorteil: Gehe ich in ein Museum und zahle sehr viel Eintritt, so setze ich mich manchmal dem Druck aus, auch wirklich auf Teufel komm‘ raus alles „aufsehen“ zu müssen, was mir dort präsentiert wird. Bloß keine Ecke auslassen, selbst wenn es mich in dem Moment nicht anspricht. Dank der Karte gestatte ich mir auch gelegentlich selektiveres Besucherverhalten. Dafür nochmal zurück zum Rijksmuseum in Amsterdam. Es erschlägt einen schlichtweg mit seiner Größe und Vielzahl an Räumen. Alles in einen Besuch zu quetschen, laugt mich zu sehr aus. Da nehme ich mir bei meinen Besuchen normalerweise erst einmal den Seitenflügel mit den jeweiligen Sonderausstellungen vor und schlendere danach meistens eine Teilabteilung ab, bevor ich abschließend ein paar meiner Lieblingsgemälde besuche.

Sonderausstellung Dick Bruna, Rijksmuseum, Amsterdam

Die Museumkaart nimmt einem Schwellenangst, sich auf Museen oder Ausstellungen außerhalb der eigenen Interessenschwerpunkte einzulassen. Wenn es einen so gar nicht anspricht, könnte man schließlich wieder gehen, ohne sich zu ärgern. Offen gestanden habe ich noch keinen der ungeplanten Besuche bereut und viel Neues entdeckt. Das Utrechter Museum Speelklok, das Bunker Museum Ijmuiden, oder das kleine Amsterdamer Wohnhaus des Autors mit dem Pseudonym Multatuli, dessen berühmtes Buch „Max Havelaar“ ich viele Jahre zuvor gelesen hatte, sind Beispiele für letztlich hochinteressante Orte, die ich unter anderen Umständen links liegen gelassen hätte.

 

 

 

Spoorwegmuseum Utrecht
Museum Speelklok, Utrecht
Bunkermuseum Ijmuiden
Frans Hals Museum, Haarlem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Entdecken und Wertschätzen zählt auch zu den erklärten Zielen, die hinter der Museumkaart liegen. Man möchte mehr Menschen zu regelmäßigen Museumsgängern machen, die dann wiederum andere Menschen zu Besuchen animieren. Das Bewusstsein für die große kulturelle Bedeutung der Aufgaben von Museen und das Interesse an den Ausstellungen soll steigen. Das Geld, das durch die Karten generiert wird, fließt in einen großen Finanztopf, aus dem wiederum die Museen dann Anteile erhalten. Das scheint sich in den Niederlanden zu rechnen. Derzeit gibt es rund 1,4 Millionen Nutzer der Karte, die damit knapp neun Millionen Museumsbesuche machen, wie u.a. diesem Video  zu entnehmen ist.

Warum ich der Blogleserschaft von dieser Karte vorschwärme, auch wenn jemand vielleicht nur ein verlängertes Wochenende in den Niederlanden plant?

1. Man tut damit der dortigen Museumslandschaft etwas Gutes und

2. Die Karte könnte sich trotzdem lohnen! Berechnet man, dass der Eintritt für viele der größeren Museen mit um die 20 € zu Buche schlägt, ist eine Museumkaart durchaus eine Überlegung wert.

Van Gogh Museum Amsterdam
Turm von Babel, Breugel Museum Boijmans, Rotterdam
Tropenmuseum Amsterdam
Floating Object, Kröller Müller Museum, Otterlo

Eine gute Gelegenheit, um sich neben geplanten Besichtigungen einfach treiben zu lassen und die ein oder andere Eingangstür mehr zu öffnen!
Man kann die Karte im Internet vorbestellen, darf aber im Formular (noch immer) keine nicht-niederländische Adresse für den Versand angeben. Das geht nur mit Anruf und E-Mail an den Kundenservice. Praktisch sind aber fast alle großen Museen Ausgabestelle für die „voorlopige“, also vorläufige Karte. Diese hat ab dem Erwerb direkt eine Gültigkeit von einem Monat und verfällt, wenn man sich nicht innerhalb dieses Zeitraums online registriert.

Wer sich mehrere Tage nur in und um Amsterdam aufzuhalten gedenkt, kommt eventuell günstiger weg mit der I Amsterdam City Card, die neben freiem Eintritt in rund 60 Museen auch den ÖPNV im Großraum der Stadt und andere Extras mit einschließt, aber auch mit deftigen Preisen daher kommt, wenn man sie nur 24-48 Stunden benötigt (Den Flyer zum Angebot findet ihr hier).

Museum Gevangenispoort, DenHaag
Scheepvaartmuseum Amsterdam

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildungsnachweis: Bei den in diesem Beitrag verwendeten Bildern handelt es sich um Aufnahmen, die im Rahmen privater Besuche entstanden sind.

Birgit Baumann

Birgit Baumann

Fachreferentin für Kulturtourismus und Kulturmarketing
Teilnehmerin REGIALOG VII
Birgit Baumann

2 thoughts on “Auf KulTour durch die Niederlande mit der Museumkaart”

  1. Gilt die Museumskarte auch z.B. für das van Gogh Museum? Würde damit die Online Anmeldung, ohne die man sonst das Museum nicht besuchen kann, hinfällig?
    Danke für den Hinweis! Mit Gruß aus Bonn
    Maria-Theresia

    1. Hallo Maria-Theresia,

      es gibt eine Liste aller angeschlossenen Museen auf der Seite der Museumkaart. Über dieseb Link kannst Du alle Museen sehen, die in der Provinz Noord-Holland dazugehören: https://www.museumkaart.nl/museumkaartgeldig#tab-Noord-Holland – da ist bei Amsterdam auch das Van Gogh Museum mit dabei.

      Immer mehr von den stark überlaufenen Museen arbeiten nun fast ausschließlich mit Vorausbuchung, so vergibt u.a. das Anne Frank Haus inzwischen 80% der Karten rein im Vorverkauf über das Internet. Am Tag selbst wird noch einmal ein kleines Restkontingent freigeschaltet. Die Hermitage Amsterdam verfährt ähnlich.
      Vorsicht übrigens: Das neue Vorverkaufssystem beim Anne Frank Museum läuft noch nicht ganz rund, was Sicherheitszertifikate bei Buchungen angeht. Kunden einiger deutscher Banken haben da Probleme. Das haben Freunde von mir kürzlich leidvoll erlebt: Es wurden kurzfristig Kreditkarte und Konto gesperrt, weil ein vermutlicher Angriff auf das Guthaben stattfand… Das ließ sich aber mit einem Anruf klären.

      Das Van Gogh Museum habe ich jahrelang „einfach so“ besuchen können und mich mit meiner Museumkaart in die Schlange gestellt bzw. durfte wegen der Karte an Gruppen vorbei. Bei den letzten zwei Malen hatte ich mich auch online mit einem Ticket versorgt. Ich habe nun einen Knackpunkt entdeckt beim Ticketsystem des Museums: Gehe ich über die niederländische Seite, so kann ich als Ticket auch die Museumkaart angeben (https://tickets.vangoghmuseum.nl/nl/tickets), auf der deutschsprachigen Seite (https://tickets.vangoghmuseum.com/de/tickets) stoße ich an gleicher Stelle tatsächlich n i c h t auf die Option. Sehr ärgerlich. Darauf werde ich das Museum einmal hinweisen.

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