Weitere Beispiele vom Kleinprojekt bis zu Mammutaufgabe:

3.

Die Unterstützung grenzüberschreitender Ausstellungsmaßnahmen ist in mehrfacher Hinsicht geglückt. Zum einen haben sich das Stedelijk Museum Coevorden und das Emslandmuseum Lingen zusammen getan, um die gemeinsame Vergangenheit als Festungsstädte zu beleuchten. Dies geschah natürlich unter tatkräftiger Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen, die den Museen unter die Arme greifen, doch die übergeordnete Struktur waren die Hauptamtlichen Museumsleitungen.
Die bereits mit einem eigenen Blogbeitrag bedachte Collectie Brands tat sich zusammen mit dem Heimatverein Lohne, um die Bräuche und Vorstellungen rund um die Thematik „Tod und Trauer“ beiderseits der Grenze zu beleuchten. So wird in einer in Kürze zu eröffnenden Ausstellung knapp eingegangen auf die Megalithgräber der Region, die auf deutscher Seite durch die Straße der Megalithkultur sichtbar gemacht wird, während auf niederländischer Seite eine Schnellstraße glatt als „Hunebed Highway“ beschildert wird und es ein umfangreiches Hunebedcentrum gibt. Es folgen Tafeln und Objekte zu regionalen und überregionalen Traditionen im Sterbefall, wobei neben katholischen und protestantischen Bräuchen auch andere vertretene Glaubensgemeinschaften erwähnt werden. Ein aktueller Aspekt ist die Krematoriendebatte: Stets mehr Menschen wünschen sich für nach ihrem Tod keine klassische Erdbestattung, sondern eine Verbrennung, während zeitgleich kaum jemand ein Krematorium in seiner unmittelbaren Nähe dulden möchte.

4.

Einer der Wünsche für Grenzkultur war, Themen des immateriellen Kulturerbes auf ungewöhnliche Art neu darzustellen und damit eine veränderte Wahrnehmung zu ermöglichen. Auf Schloss Clemenswerth, einst als Jagdschloss erbaut, werden rund um den September verschiedene Veranstaltungen zum Thema Jagd angeboten: Schleppjagd, Hubertusmesse und Falknertag. Die Veranstaltungen wurden in diesem Jahr mit aus Grenzkultur-Mitteln unterstützt. Hinzu kam eine neue Komponente: Die niederländische Künstlerin Loes Heebink hat mit dem „Clemenswerther Flüsterer“ für etwa sechs Wochen eine dreiteilige Installation inklusive Soundscape geschaffen, die das Thema in besonderer Form aufgreift: Pferd, Hund und Falke unterstützen den Menschen bei der Jagd in Bereichen, die der Mensch alleine nicht ausführen kann. Das Zusammenspiel und das Vertrauen zwischen den Tieren und dem Menschen sind dabei von großer Bedeutung. Die aus Acrylglas gefertigten Tiere fügen sich in die Landschaft ein und wirken je nach Blickwinkel geradezu unsichtbar, doch von jedem dieser Tiere geht auch eine Soundinstallation aus, die den Einsatz bei der Jagd widerspiegelt: Da nimmt man beispielsweise wahr, wie ein verfolgtes Tier flüchtet durch Laub und Gehölz oder der Falke zum Sturzflug ansetzt.

5.

Regionale Sprachen und ihr Erhalt spielen eine wichtige Rolle im kulturellen Erbe. So entstand die Idee zu einem deutsch-niederländischen Poetry Slam in den jeweiligen Platt-Varianten. Auf deutscher Seite gibt es in Oldenburg, Hamburg und anderen Regionen einige Slammer, die mit Erfolg auch auf Platt in Wettbewerben antreten, doch war für das Emsland und die Grafschaft Bentheim niemand zu finden, der sich der Aufgabe hätte stellen mögen. Auf Drenther Seite konnte das Huus van de Taol, quasi das Kulturbüro für das Platt der Drenthe (Nedersaksisch), jedoch einige Leute für den modernen Dichterwettstreit finden. Um mangels deutscher Teilnehmer das Projekt nicht kippen zu lassen, wurde der ursprüngliche Plan über den Haufen geworfen und ein neuer Ansatz geschaffen: Gerade die Grafschaft Bentheim und auch das Emsland sind sehr aktiv in der Nachwuchsförderung von Slammern, so dass es eine sehr starke U20-Szene gibt. Hier sollte nun die Lebendigkeit von Sprache gefeiert werden.

Angeschlossen an das Literatur- und Musikfestival Zomerzinnen im Drenther Dorf Dwingeloo konnten Huus van de Taol und Emsländische Landschaft im Juni ihren Slam durchführen. Es gab starke Texte auf beiden Seiten. Am Ende konnte sich in einem Abschlussbattle Rahel Babic aus der Grafschaft Bentheim durchsetzen.

Fazit

Schon jetzt lässt sich sagen, dass mit GRENZKULTUR ein wichtiger Beitrag dazu geleistet wurde, die politischen Grenzen zu verwischen und zu erkennen, dass die kulturellen Gemeinsamkeiten überwiegen und das Interesse an der jeweils anderen Seite gestiegen ist.

Birgit Baumann

Projektmanagerin bei Emsländische Landschaft e.V.
Fachreferentin für Kulturtourismus und Kulturmarketing
Teilnehmerin REGIALOG VII
Birgit Baumann

One thought on “GRENZKULTUR – immaterielles Kulturerbe alles andere als trocken – Teil 2”

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