Die archäologischen Objekte aus der Sammlung des Leipziger Apothekerfamilie Linck (1670–1807) (Rückblick)

Die Ausstellung der Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Universität Leipzig, in Kooperation mit dem Naturalienkabinett Waldenburg, war vom 19. November 2014, bis 01. Februar 2015 im Ägyptischen Museum – Georg Steindorff – in Leipzig und im Anschluss vom 08. Mai 2015, bis zum 30. August 2015 im Naturalienkabinett Waldenburg zu sehen.

Die Ausstellung zeigt anhand archäo­lo­gi­scher Objekte aus der Samm­lung der Leip­ziger Apo­theker­familie Linck (1670-1807), wie Archäo­logie zu Beginn des 18. Jahr­hun­derts „funk­tio­nierte“.

Quelle: Webmuseum

Hintergrund – Die Leipziger Apothekerfamilie Linck

Mini FaultierBegründer des viel gerühmten Linckschen Naturalienkabinetts war der in Danzig geborene Heinrich Linck (1638 bis 1717), der 1669 nach Leipzig kam. Die Familie hat über drei Generationen im Verlauf des späten 17. und 18. Jahrhunderts eine umfangreiche und weithin bekannte naturkundlich-antiquarische Sammlung zusammengetragen, die in den Räumen der Apotheke in der Leipziger Grimmaischen Straße allen Interessierten offen stand. Bereits 1670 soll er mit dem Sammeln von Naturalien begonnen haben.

Sein Sohn Johann Heinrich Linck d. Ä. (1674 bis 1734) übernahm nicht nur 1710 die Leitung der Apotheke, sondern führte auch die Sammlung fort. Linck, der als „berühmter Apotheker“ galt, erlangte als Sammler und Naturforscher noch größere Anerkennung. Er teilte sich mit seinem Bruder die Verwaltung der Apotheke, weshalb ihm genügend Zeit für seine Sammlung blieb. Vorbild für diese Tätigkeit war August der Starke, der in seinen Dresdner naturwissenschaftlichen Museen manche Rarität oder Kuriosität zusammengetragen hatte.

Wie aus einer von Linck stammenden Beschreibung hervorgeht, enthielt die Sammlung damals 800 Gläser „mit allerhand in spiritu balsamico conservirten Animalien“, darunter Schlangen, Affen, Krokodile und weitere exotische Tiere, sowie über 200 Schubladen oder Kästen mit Mineralien und Versteinerungen. Ein umfangreiches Herbarium, Korallen und physikalische Instrumente vervollständigten das Naturalienkabinett. In einer Trauerode wird Linck mit bedeutenden Sammlern wie Besler verglichen:

„Was in den Theilen aller Erden
Ein eigner Schatz und kostbar hieß,
Das muste Deinem Fleiße werden,
Als der es keinem Fremden ließ,
Kommt! sehet Linckens Seltenheiten
Schaut Valentin, und Besler, an!
Ihr braucht es nicht, mit ihm zu streiten,
Er hat es euch zuvor gethan“.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung

 

Nach Lincks Tod war die Sammlung teilweise verwaist, galt jedoch nach wie vor als Leipziger Sehenswürdigkeit. 1757 übernahm Johann Heinrich Linck d. J. (1734 bis 1807) die Leitung der Apotheke. Da Linck von keinem seiner Kinder überlebt wurde, verkauften die Erben die Sammlung 1840 an den Fürsten Otto Viktor I. von Schönburg-Waldenburg.

Ein Großteil der Bestände dieses seinerzeit weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Musaeum Linckianum ist durch glückliche Umstände bis heute als Teil des Waldenburger Naturalienkabinetts erhalten geblieben.

Ur- und Frühgeschichte Leipzig

Einladung Eröffnung

175 Jahre, nachdem die Sammlung nach Waldenburg kam, wurde sie erstmals wieder in ihrer Gesamtheit präsentiert. Zu diesem Zweck wurden die seit ihrer Erstinventarisierung durch Johann Heinrich Linck d. J. nicht mehr begutachteten Objekte im Rahmen eines studentischen Forschungsprojektes der Universität Leipzig durch angehende Ur- und FrühhistorikerInnen einer fachwissenschaftlichen Bestimmung und vergleichenden Untersuchung unterzogen.

Auf deren Grundlage war es möglich, in der Ausstellung den „antiken“ Entstehungs- und Nutzungskontext der Gegenstände näher zu beleuchten. Von mindestens ebenso großer Bedeutung wie die Antiken selbst ist jedoch die Tatsache, dass hier ein frühneuzeitlicher Sammlungskontext weitgehend vollständig überliefert ist. Dies erlaubte es zusätzlich, Aspekte des naturkundlichen und archäologischen Sammelns im 18. Jahrhundert, wie sie sich etwa in Objektansprachen wie „Donnerkeil“, „Opfermesser“ oder „Thränengefäß“ spiegeln, zu beleuchten und die Besucher so mit einer Wissenswelt und Wissenspraktiken, die uns heute merkwürdig fremd erscheinen, zu konfrontieren.

Auf den ersten Blick erscheinen die manchmal eigenartig geformten Steinbeile und Keramikgefäße unscheinbar. Erst durch einen genauen Blick offenbaren sie ihre Bedeutungen: Sie erzählen von längst vergangenen Bestattungssitten, von antiken Alltagsproblemen und Menschenschicksalen. Nach bis zu 5000 Jahren unter der Erde wurden sie vor gut 300 Jahren zum beliebten Sammlerobjekt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Begleitpublikation

BegleitPublikationZur Ausstellung ist in der Reihe Leipziger Forschungen zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie eine 164 Seiten umfassende und reich bebilderte Begleitpublikation erschienen. Diese können Sie über die

Professur für Ur- und Frühgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig,
Ritterstr. 14,
D-04109 Leipzig,
Tel.: +49 341 97-37057
E-Mail: ufg@rz.uni-leipzig.de

beziehen.

 

Ulrich Veit / Matthias Wöhrl (Hrsg.).
Donnerkeil – Opfermesser – Thränengefäß.
Die archäologischen Objekte aus der Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck (1670 – 1807) im Naturalienkabinett Waldenburg (Sachsen).

Das Inhaltsverzeichnis zur Publikation als PDF zum Download finden Sie hier.

Nähere Informationen zum studentischen Forschungsprojekt an der Universität Leipzig finden Sie hier.

 

Beitragsbilder:

Titelbild: Plakat der Sonderausstellung Donnerkeil – Opfermesser – Thränengefäß. Die archäologischen Objekte aus der Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck (1670 – 1807) im Naturalienkabinett Waldenburg (Sachsen).Copyright unterliegt der Universität Leipzig, Professur für Ur- und Frühgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig, sowie dem Naturalienkabinett Waldenburg (Sachsen).

Mini Faultier private Aufnahme.

Einladung: Offizielle Einladung zur Eröffnung der Ausstellung Donnerkeil – Opfermesser – Thränengefäß. Die archäologischen Objekte aus der Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck (1670 – 1807) im Naturalienkabinett Waldenburg (Sachsen), der Universität Leipzig. Copyright unterliegt der Universität Leipzig, Professur für Ur- und Frühgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig.

Belgleitpublikation: Ulrich Veit / Matthias Wöhrl (Hrsg.). Donnerkeil – Opfermesser – Thränengefäß. Die archäologischen Objekte aus der Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck (1670 – 1807) im Naturalienkabinett Waldenburg (Sachsen). Copyright unterliegt der Universität Leipzig, Professur für Ur- und Frühgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig.

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Stefanie Karg

Kunsthistorikerin M.A.
Fachreferentin für Kulturtourismus und -marketing
Arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Schloss Moritzburg in Zeitz.
Vorstandsvorsitzende von Kultur hoch N e.V.
Stefanie Karg
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