Auf dem Weg die A 31 entlang lohnt sich in Höhe Meppen ein kleiner Abstecher kaum mehr als 10 Minuten über die Grenze hinweg in die Niederlande. In Nieuw Dordrecht bei Emmen gibt es ein kleines Museum, das auf den ersten Blick kaum auffällt. Die Collectie Brands besteht aus einem ehemaligen Wohnhaus mit einem Anbau. Was es innen zu sehen gibt? Ein charmantes heilloses Durcheinander, an dem Besucher ihre wahre Freude haben können!
Sachensucher, das wollte Pippi Langstrumpf zusammen mit Tommi und Annika werden und als solchen würde ich auch Jans Brands bezeichnen, auf dessen umfangreicher privater Sammlung dieses Museum seit November 2011 aufbaut.

Ich habe Jans Brands nicht kennen gelernt, aber mein Bild von ihm nach meinem ersten beruflichen Besuch in seiner „Collectie Brands“ war in etwa folgendes: Herr Brands schlendert in den 50er – 90er Jahren über Flohmärkte, schaut sich um, bleibt stehen und fragt einen Händler, was denn die gesamte präsentierte Ware des Standes kosten würde. Auch weitere Besuche und Gespräche dort haben diesen Eindruck nur unwesentlich verändert.

Man stelle also sich einen Mann vor, der jahrzehntelang einer unglaublichen Sammelleidenschaft frönt. Hierbei gibt es keine Reduzierung auf bestimmte Objekte, sondern schlichtweg “ein wenig von allem”, als wisse man nie, wann man genau diese eine bestimmte Sache wieder einmal brauchen könne. Messietum kann man Brands jedoch nicht vorwerfen, denn er weiß durchaus um den wahren Wert der Dinge und häuft keinen Müll an. Dort ein paar Bücher in Erstauflage, da alte Blechspielzeuge oder Münzen, technische Geräte und hier einige Kleinigkeiten oder Kuriositäten – nichts darf fehlen.

Wer die Letztgenannten liebt, sollte mitten in dem eigentlichen Bibliothekssaal mit den meterhohen Regalen einen Vitrinenschrank genauer studieren. Da stößt man von einem ungewöhnlichen Objekt auf das nächste. Den faustgroßen Haarballen (Trichobezoar), der aus einem der Mägen einer Kuh geschnitten worden sein soll, schauen sich sicher viele kopfkratzend mit einer Mischung aus Bewunderung und Ekel an. Auch wenn das Museum einem durchaus etwas beibringen möchte, darf ab und an eine humorvolle Andeutung nicht fehlen: Im Holzstuhl mit eingebautem Pisspott liegt zur Veranschaulichung ein künstlicher Kothaufen.

Holzschuhe müssen nicht adrett sein und sind durchaus auch kaputt noch herzeigbar. Seltsam muten auch die vor gut hundert Jahren noch beliebten Haarbilder an, mit denen man Verstorbenen gedachte.

Jans Brands hat vor wenig Halt gemacht. Ihm liegt bis heute vor allem das kulturelle Erbe seiner Region am Herzen. Daher ist in seinem ehemaligen Wohnhaus extra viel „wie früher“ belassen worden. Man bewegt sich durch die kleine zweckmäßige alte Küche und blickt in das Wohnzimmer. Das wirkt behaglich altbacken. Kaum vorstellbar, dass sich dort lange Zeit jede Menge der eingekauften Objekte gestapelt haben sollen. Das Altmodische des Hauses steht in krassem Gegensatz zur nur wenige Kilometer weiter liegenden Stadt Emmen, die als wichtiger Standort für die Entwicklung von Mobilfunktechnik. Wer weiß sonst schon, dass Bluetooth unter anderem aus Emmen stammt, genau wie viele „Pager”? Kein Wunder, dass die Schulen im Umland vom reichhaltigen Schatz des Museums profitieren und auch die angebotenen Unterrichtskoffer voller Materialien und Lernstoffe gerne geliehen werden.

Denjenigen, die für das Museum arbeiten, muss die Bandbreite der Sammlung wie Fluch und Segen zugleich vorkommen: Es findet sich zu allem und jedem Thema etwas. Man muss nur wissen, wo. Vieles muss eingelagert werden. Wie kann man trotzdem viele unterschiedliche Dinge auf relativ wenig Platz ausstellen? Einiges verschwindet in Schubladen und Kästen, die der Besucher nach Herzenslust öffnen und schließen kann. Andere Dinge stehen in Regalen mit vielen Fächern und jedes handelt einen anderen Themenbereich ab, wie ein IKEA Kallax in einem dieser Mietfach-Läden, nur dass nichts davon zum Verkauf steht.

Geplant sind für die kommende Zeit diverse Umbauten und Neustrukturierungen, auch um regelmäßig Sonderausstellungen bieten zu können, die teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Museen und Institutionen auf deutscher und niederländischer Seite entstehen. Die seit einiger Zeit dort tätige junge Konservatorin und Ausstellungsplanerin hat einen spannenden Berg Arbeit vor sich, aber auch ein engagiertes Team um sich.

Ich werde bei Gelegenheit sicher wieder in der Collectie Brands vorbeischauen. Es gibt doch noch so viel zu entdecken!

Birgit Baumann

Projektmanagerin bei Emsländische Landschaft e.V.
Fachreferentin für Kulturtourismus und Kulturmarketing
Teilnehmerin REGIALOG VII
Birgit Baumann

3 thoughts on “Die Collectie Brands – ein Ausflugstipp für Sachensucher”

    1. Heet graag gedaan, Hank. Een beetje meer aandacht van de Duitse kant zou leuk zijn voor Collectie Brands.
      Er zijn altijd zo veel tips voor de grote en bekende musea maar de kleine meer verstopte plaatsen hebben ook meer bezoekers verdient.

  1. Taurige Nachricht aus dem Museum Collectie Brands: Der Sammler und Stifter Jans Johannes Brands ist am 28. Juni im Alter von 86 Jahren verstorben. Das kleine Museum bleibt vorerst geschlossen. Bitte die Informationen auf der Website beachten.

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