Der Mensch ist visuell

Die einfachste Methode, um Supporter auf sich und sein Projekt aufmerksam zu machen sind Videos und Bilder. Videos sind der beste Weg, um das Projekt und das Team dahinter vorzustellen und den Unterstützern ein Gefühl dafür zu geben, wem sie ihr Geld anvertrauen. Videos können in sozialen Netzwerken geteilt werden, was wiederum weitere Nutzer auf das Projekt aufmerksam macht. Das Video sollte vor allem das Team persönlich vorstellen, die Geschichte hinter dem Projekt präsentieren und einige wesentliche Fragen beantworten: Worum geht es in dem Projekt? Wie ist die Idee entstanden? Warum möchte man das Projekt realisieren? Wozu wird die Unterstützung der Crowd benötigt, was hat das Team mit ihrem Geld vor und was erhalten die Unterstützer? Auch ein Link zu der entsprechenden Projektseite sollte im Video eingebunden werden. Zusätzlich sollte die Projektseite immer mit entsprechendem Bildmaterial vervollständigt werden. Bilder, Grafiken und Fotos spiegeln die Idee wieder und ziehen die Aufmerksamkeit der Crowd auf sich. Bilder sollten mit Emotionen und Persönlichkeit überzeugen und nicht durch Collagen, lange Texte oder Logos überfrachtet werden.

Die Finanzierungsphase

Wenn die Startphase des Projektes erfolgreich durchgeführt wurde, startet die eigentliche Finanzierungsphase. Die Laufzeit dieser Phase kann meist frei festgelegt werden, die maximale Dauer beträgt 90 Tage. Gängig sind Laufzeiten zwischen 30 und 45 Tagen. Um genügend Unterstützer für das Projekt zu gewinnen muss es bekannt gemacht werden. Hier greift das vorhandene Netzwerk. Die Kontakte sollten mit einer persönlichen Nachricht angeschrieben werden. Zusätzlich sollte das Projekt auf Facebook, Twitter, Google+ und anderen sozialen Netzwerken vorgestellt werden. Auch ein Newsletter, Pressemitteilungen an bereits bekannte Pressekontakte oder auf offenen Presseseiten, wie Euroweb, oder Pressemonitor, sowie selbstverständlich die Präsentation auf der eigenen Homepage und/ oder Blog sind für eine zielführende Vermarktung wichtig. Während der Finanzierungsphase muss das Netzwerk regelmäßig an das Crowdfunding-Projekt erinnert werden, indem Neuigkeiten oder zusätzliche Inhalte, wie ein Blick hinter die Kulissen veröffentlicht werden. Auch hier zählt die Transparenz, denn je klarer die aktuelle Vorgehensweise für die Fans ist, umso attraktiver wird es für sie das Projekt zu unterstützen.

Der Projektabschluss

Die meisten Crowdfundingplattformen funktioniert nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Das Geld wird nur dann ausgezahlt, wenn das Fundingziel erreicht wird. Wird das Ziel nicht erreicht, geht das Geld an die Unterstützer zurück. Alternative Konzepte ermöglichen flexibles Funding, hier erhält der Initiator auf alle Fälle das Geld der Unterstützer, unabhängig davon ob eine vorher formulierte maximale Summe erreicht wurde oder nicht. Jedoch gehen solche Konzepte oftmals mit einer höheren Gebühr der Crowdfundingplattform einher (indiegogo bietet ein solches Konzept). Mit Beendigung der Finanzierungskampagne geht die Realisierung der eigentlichen Idee einher. Um die oftmals ungeduldigen Unterstützer auf der eigenen Seite zu halten ist es wichtig auch nach der Projektfinanzierung eine stetige Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um den Unterstützer zu versichern, dass das Projekt wirklich realisiert wird. Die während der Kampagne zugesicherten Geschenke und Boni sollten in diesem Zeitraum beziehungsweise gemeinsam mit dem fertigen Produkt/ der Idee versandt oder umgesetzt werden.

Was ist zu beachten?

Eine Crowdfunding Kampagne ist vor allem personengebunden. Erforderlich ist eine „öffentliche“ Person, die im Mittelpunkt der Kampagne steht und zu der die erhofften Unterstützer eine emotionale Bindung aufbauen können. Die gesamte Kampagne wird über die Neuen Medien ausgeführt. Alle großen Social Media Plattformen müssen genutzt werden um eine möglichst große Personenzahl anzusprechen.

In der Planung darf nicht vergessen werden, dass ab einem Fundingziel von achttausend Euro eventuell anfallende Steuern zu entrichten sind. Zunächst sollte allerdings von größeren und finanziell aufwendigeren Projekten abgesehen werden. Erst nach dem Erfolg kleinerer Kampagnen und der daraus resultierenden Größe der eigenen Community, darf über Großprojekte nachgedacht werden.

Anfallende Provisionen, die an die Crowdfunding-Plattformen gehen, müssen von Anbeginn an, in den Finanzierungsplan eingerechnet werden.

Will man ein Event organisieren, sollte man sich ebenfalls über Versicherungen informieren. Gerade bei öffentlichen Veranstaltungen ist der Abschluss bestimmter Versicherungen unumgänglich. Auch diese Kosten sollten von Anfang an im Finanzierungsplan vertreten sein.

Besonders bei der Verwendung von Videos ist es wichtig keine urheberrechtlich geschützte Musik zu verwenden, ohne zuvor die nötigen Nutzungsrechte zu erwerben. Da in diesem Fall weitere zusätzliche Kosten anfallen, sind diese entweder wiederum zuvor einzuplanen, oder man verwendet Musik mit freier Lizenz. Die Urheberrechte gelten natürlich auch bei Bildern.

Ein weiterer Kostenpunkt, der vor Start der Finanzierungsphase in das Fundingziel einberechnet werden sollte sind die Produktions- und Versandkosten für die Geschenke.

Chancen, Risiken und Zielgruppen

Besonders für kleinere Projekte, die für die Crowd etwas Neues und Innovatives darstellen, kann das Crowdfunding eine Chance darstellen. Allerdings ist zu bedenken, dass nur etwa 50 Prozent aller Projekte erfolgreich finanziert werden. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Im Schnitt werden Projekte mit 5.600€ finanziert mit durchschnittlich 65€ pro Person. Eine Übersicht dazu findet sich hier.

Dadurch, dass die Kommunikation hauptsächlich in sozialen Netzwerken und im Internet stattfindet, sind die Nutzer, die über diese Art der Kommunikation erreicht werden oftmals jünger, als Menschen, die man auf traditionellen Wegen erreicht. Dementsprechend müssen auch Kommunikationsverhalten und -wege an diese Art von Zielgruppe angepasst werden. Um bereits zu Beginn eine große Nutzerbasis ansprechen zu können, sollte man jene Corwdfunding-Plattform recherchieren und auswählen, auf der bereits ähnliche Projekte, wie das eigene, erfolgreich beworben wurden.

Geht man bei einer Crowdfunding-Kampagne auch Risiken ein? Eine Corwdfunding-Kampagne ist vor allem zeitintensiv und birgt in vielen Fällen das Risiko des Scheiterns. Aufgrund einer erfolglosen Finanzierungsphase können Renommee und Onlinereputation leiden, wodurch zukünftige Versuche noch schwieriger zu vermarkten sein können. Startet man ein neues Projekt unüberlegt, riskiert man unter Umständen eine ganze, lang und aufwendig etablierte Community.

Aussichten

Während die Förderung von Kunst und Kultur besonders bei Privatpersonen immer mehr in das Bewusstsein rückt, investieren Bund und Länder immer weniger in kulturelle Einrichtungen. Besonders Einrichtungen mit ehrenamtlichen Strukturen, aber auch professionell geführte Institutionen haben nur wenige Ressourcen oder freie Kapazitäten. Für kleineren Projekte, die auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet sind, kann die Finanzierung über eine Crowdfunding-Kampagne eine sinnvolle Lösung sein. Während sich in den USA Crowdfunding-Plattformen schon längst etabliert haben, findet diese Form der Projektfinanzierung auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Viele Plattformen befinden sich noch im Aufbau und erreichen jeden Tag mehr Nutzer. Daher haben kulturelle Einrichtungen mit dem richtigen Projekt gute Chancen ihre Idee mit Hilfe der Community einer Crowd entstehen zu lassen.

Fazit

Auch, wenn es verlockend einfach erscheint, ist Crowdfunding nicht der einfache und schnelle Weg zum Geld. Eine Kampagne auf einer der großen Plattformen zu starten bedeutet Zeit, Arbeit und vor allem Herzblut zu investieren. Nur mit viel Leidenschaft schafft man es viele Menschen für sein Projekt zu begeistern. Durch die Nutzung von sozialen Netzwerken und den regen Austausch mit den Fans wird das Gefühl des Supporters, Teil der Idee und deren Umsetzung zu sein verstärkt.

Dieser Beitrag wurde im März 2015 im „Handbuch Soziokultur“ der Stiftung Niedersachsen veröffentlicht. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Beitragsbild: „Crowdfunding“ von Rocío Lara.

Stefanie Karg
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One thought on “Crowdfunding: Chancen und Grenzen – Eine Einführung, Teil 2”

  1. Das Interesse an Crowdfunding ist in den letzten Jahren ja doch immer weiter angestiegen. Für viele war es eine tolle Chance, um eigene Projekte auf die Beine zu stellen und auch das Interesse der finanziellen Unterstützer wächst immer weiter an. Es bleibt abzuwarten, welche Entwicklung das ganze in Zukunft noch nehmen wird.

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