In diesem Jahr feiert das Museum Collectie Brands nahe Emmen, über das ich bereits 2019 in einem Blogbeitrag berichtet habe, seinen 15. Geburtstag. Hierfür hat sich das Team des Museums etwas ganz Besonderes überlegt: Da sich das Museum dem Thema Sammeln und der Sammelleidenschaft von Jans Brands widmet, wollte man im Jubiläumsjahr auch anderen Sammlern die Möglichkeit geben, einen Teil ihrer Stücke zu präsentieren. Über die Website, die Social-Media-Kanäle und ausführliche Pressearbeit wurden im Sommer 2025 Menschen mit Sammelleidenschaft dazu aufgerufen, sich zu bewerben.
Objekte aus Wohnzimmerschränken, Kellerregalen, Kisten und Vitrinen sollten ihren Weg in die Ausstellung finden – und damit auch die Menschen dahinter: Sammlerinnen und Sammler mit einer Leidenschaft, die über das Alltägliche hinausgeht, die besondere Dinge zusammentragen, oft über viele Jahre hinweg und deren Objekte immer auch mit ganz persönlichen Geschichten verbunden sind. Menschen also, die nicht einfach nur sammeln, sondern die Geschichten hinter ihren Bemühungen auch gerne erzählen und teilen möchten. Genau dieses Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven und der Passion dahinter macht den besonderen Reiz dieses Ausstellungskonzepts aus. Sammeln heißt immer auch: Den zusammengetragenen Dingen Bedeutung zu geben, die für andere vielleicht alltäglich erscheinen. Genau darin liegt die besondere Kraft.
Als ich davon las, fand ich das sofort spannend. Seit meiner beruflichen Zusammenarbeit mit dem Museum während eines Kulturerbprojektes 2018/2019 hatte ich es nie aus dem Blick verloren. In meinem Kopf sprudelten mehrere Ideen, wer sich dort unbedingt beteiligen sollte. 2022 hatte ich ebenfalls hier einen Blogbeitrag über das Mitsubishi Modelcar Museum geschrieben. Meine Idee war: Die Sammlungsgeschichte des Modellautomuseums könnte in das Konzept für das Jubiläumsjahr passen. So legte ich dem Sammler Marcel van den Bos ans Herz, sich mit einer E-Mail und einigen Fotos zu bewerben.
Seitens der Collectie Brands ging man zunächst davon aus, dass nur wenige Reaktionen eingehen würden – doch man wurde schier von Bewerbungen überrannt. Umso schwerer wurde es, aus der Vielzahl der Einsendungen eine Vorauswahl zu treffen, aus der dann letztlich zusammen mit den ehrenamtlichen Museumsmitarbeitern jeweils eine Reihe besonderer Sammlungen für zwei Halbjahresausstellungen herausgefiltert wurden. Alle waren sich dessen bewusst, dass es sehr viele enttäuschte Gesichter bei all jenen geben wird, die nicht mitmachen können.
In langen Vorgesprächen hat Marianne Bakker als Kuratorin aus den verschiedenen ausgewählten Sammlern deren Erzählungen zusammengetragen und verschriftlicht. Um diese Texte als Kernstück dreht sich die Ausstellung „Iedereen verzamelt“ (Jeder sammelt). Anfang Februar wurde die erste Ausstellung eröffnet. Und so unterschiedlich die gezeigten Sammlungen auch sind, haben sie doch eines gemeinsam: Hinter jeder Sammlung steckt eine Geschichte, die es wert ist, entdeckt zu werden.
Zu sehen sind Eierbecher, Salz- und Pfefferstreuer, das riesige Spektrum von Rubik’s Cubes und vergleichbaren Knobeleien, Holzspielzeug einer früher sehr bekannten Firma aus Assen, Blechspielzeug, alte Reisewecker, Warhammer-Figuren und nicht zuletzt Modellautos sowie Marken-Merchandise aus dem Mitsubishi Modelcar Museum.







Die erste Ausstellung läuft noch bis August. Dann wechseln die Sammlungen: Die aktuellen Aussteller holen ihre Stücke zurück, und neue Sammler übernehmen für weitere sechs Monate die Vitrinen und Regale. Ich bin jetzt schon neugierig, was dann gezeigt werden soll.
Begleitveranstaltungen sind unter anderem solche, bei denen einige der nicht für die Ausstellung ausgewählten Sammler in kleinerer Form die Möglichkeit erhalten, etwas aus ihren Sammlungen zu zeigen und mit den Besuchern in gleicher Weise ins Gespräch zu kommen wie die Ausstellenden selbst am Eröffnungstag. Kürzlich konnte ich mich dort u.a. mit einer Sammlerin von „Klickern“ unterhalten. Ich hatte als Kind auch mehrfach Knackfrösche, aber hätte nie die Vielzahl ungewöhnlicher Objekte erwartet. Wieder einmal stand die Frage im Raum: Wie kommt man darauf, das zu sammeln?
Die nun im Museum des „Allessammlers“ Jans Brands zu sehenden kleine Spezialsammlungen erinnern die Besucher daran, was sie selbst im Laufe ihres Lebens gesammelt haben oder sogar noch sammeln. Ein großer Spiegel lädt dazu ein, von den Besuchern beschriftet zu werden. Jeder darf dort notieren, was er oder sie sammelt. Zwischen Eröffnung und rund sechs Wochen später waren kürzlich bei meinem Besuch bereits mehr als 20 Hinweise notiert worden. Vielleicht entsteht genau hier die zündende Idee für zukünftige Ausstellungen des Museums.
- „Jeder sammelt“ – Geschichten vom Sammeln im Museum Collectie Brands - 3. April 2026
- Das Museum der drei Diamanten - 15. Oktober 2022
- Kling, Fahrradglöcklein! - 23. Mai 2022


