Einst war Google Plus ein ehrgeiziges Projekt des Google Inc. (seit 2015 Alphabet) Unternehmens. Dafür gedacht neben seiner Existenz als soziales Netzwerk auch als Grundlage für die Sharing Dienste des Konzerns zu fungieren. Die Social Media Plattform des Weltkonzerns sollte das „neue Facebook“ werden und die Entwickler versprachen sich eine ganz neue Art und Weise der Kommunikation. Die Seite ging im Juni 2011 online und war ab September 2011 für jeden Nutzer zugänglich. Schnell konnten stetig wachsende Benutzerzahlen verzeichnet werden. Nach weniger als einem Jahr hatte das Netzwerk die Marke von 100 Millionen regelmäßigen Nutzern überschritten. 2013 erklärte Google, dass Google+ über 190 Millionen aktive Nutzer verfüge. Bis 2014 stiegen die Zahlen stetig. Nach einem fulminanten Start ist es jedoch ruhig geworden um die Plattform. Ein Grund mehr, sich den Dienst noch einmal genauer anzusehen.

Anlegen eines Google+ Profils

Bei Google+ wird, ähnlich wie bei anderen Netzwerken auch, zwischen privaten Nutzern und Google+ Seiten für Unternehmen unterschieden. Unternehmen, wie kulturelle Einrichtungen, haben die Möglichkeit die Ausrichtung ihres Unternehmens aus unterschiedlichen Hauptkategorien zu wählen. Zur Auswahl stehen „Lokales Geschäft“, „Produkt oder Marke“, „Unternehmen, Einrichtung oder Organisation“, „Kunst, Sport oder Unterhaltung“ und „Sonstiges“. Diese Einstellungen lassen sich im Anschluss weiter differenzieren. Danach müssen Profil- und Titelbild festgelegt sowie eine Kurzbeschreibung des Unternehmens und Kontaktdaten hinzugefügt werden. Auch bei Google+ ist ein Impressum Pflicht. Da die Standard URL einer Profilseite aus einer Zeichenfolge besteht, sollte immer eine Personalisierung dieser erfolgen.

Funktionsweise

Die meisten Optionen sind identisch mit denen anderer sozialer Netzwerke. Es ist möglich, Beiträge zu teilen oder zu „liken“, zu kommentieren und natürlich auch Benutzer in einem Beitrag direkt anzusprechen (+Nutzername). Lediglich das plattforminterne „Vokabular“ unterscheidet sich. Mit einem Klick auf die „+1“ Schaltfläche werden andere auf die persönliche Empfehlung einer Seite aufmerksam gemacht. Hiermit wird auch das Ranking auf Google positiv beeinflusst – natürlich nach einem streng geheimen Google-Algorithmus. Google+ bietet die Möglichkeit Kontakte nach verschiedenen Zielgruppen, „Kreise“ (Circle) genannt, zu sortieren. Damit lässt sich gleichzeitig festlegen, mit welcher Kontaktgruppe man welchen Inhalt teilen möchte. Die jeweiligen Kontakte erfahren dabei nicht in welchen „Kreis“ sie eingeordnet sind. Ein Vorteil ist es, dass es möglich ist, einen Kontakt einzuordnen und ihm zu folgen, ohne dass dieser zurück folgen muss. So können öffentliche Beiträge von vielen Usern gelesen werden, ohne dass diese eine Zustimmung dafür geben müssen. In diesem Punkt ähnelt Google+ der Plattform „Twitter“.

Ein besonderes Feature der Plattform war von Beginn an die Hangouts-Seite. Über diese „Skype“ ähnliche Funktion ist es möglich zu telefonieren, chatten oder Videoanrufe zu tätigen. Allerdings können hier bis zu 10 Personen an einem „Hangout“ teilnehmen.

Nach einer grundlegenden Überarbeitung der Seite wurden 2015 die Bedienbarkeit und der optische Aufbau von Google+ optimiert. Zusätzlich wurde ein neues Feature hinzugefügt: Die „Sammlungen“ (Collections). Hier können bestehende und neue Beiträge kategorisiert werden. Follower können entweder einer Person oder Seite komplett folgen, oder nur einer Sammlung. Sammlungen erinnern an „Pinterest“ Pinnwände. Allerdings funktioniert deren Sortierung ähnlich der eines Hashtags und sind somit eher als „gefilterte Nachrichtenströme“ zu betrachten.

Was Google+ aber enorm von den bekannten Social-Media-Kanälen unterscheidet ist die Tatsache, dass es sich nicht nur um ein soziales Netzwerk handelt, sondern dass in der Timeline des Nutzers neben YouTube auch die Dienste Google Maps, Google Mail, Google Search und viele weitere Angebote zusammenlaufen und direkt miteinander verknüpft werden können. Der Hauptnutzen der Plattform liegt also in der Verknüpfung zwischen den verschiedenen Google Produkten.

Der Dienst Google Places wird zukünftig ebenfalls eine Verknüpfung zu Google+ erhalten. Dieses „Branchenbuch“ für lokal ansässige Unternehmen ist besonders für das Erscheinen in den Google Suchergebnissen sowie in Google Maps bedeutend. Je mehr positive Empfehlungen vorhanden sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Unternehmen prominent in der Google Suche und auch bei Google Maps angezeigt wird. Da für viele Unternehmen bereits ohne eigenes Zutun ein Eintrag besteht (die Daten stammen häufig aus dem Handelsregister oder Branchenbüchern), ist es dann noch einfacher den Google Places Eintrag zu übernehmen und zu pflegen, indem auf Erfahrungsberichte reagiert und der Kundenkontakt aufrechterhalten wird. Nutzer und Besucher können über Google Places Reviews verfassen, also Bewertungen und Erfahrungsberichte formulieren und veröffentlichen (Many-to-Many-Kommunikation).

Vorteile von Google+

Den entscheidenden Vorteil, besonders für Unternehmen, bringt die Plattform durch seine Herkunft mit sich. Denn ein Profil bei Google+ bringt fast automatisch einen entscheidenden Vorteil bei der Websuche mit sich. Allerdings sind die Auswirkungen auf die Auffindbarkeit rückläufig.

Ein Feature, dass von anderen Plattformen ebenfalls nicht in der Art geboten wird, ist die Möglichkeit Beiträge durch verschiedene Textformatierungen individuell zu gestalten. So ist es möglich Nachrichten in Fettschrift, kursiv oder auch durchgestrichen dazustellen.

Da der Google Konzern eines der einflussreichsten Internet-Unternehmen ist, zeichnen sich die Nutzer durch ein breites Interessenspektrum aus. Vor allem zu den Themen Musik, Fotografie, Kunst und Kultur sowie (Online)Marketing gibt es ausgedehnte Diskussionen. Über die Plattform wird also ein komplett anderer Benutzerkreis erreicht, als über andere Netzwerke.

Anwendungen wie YouTube, Google Maps oder Google Mail sind auf allen Android Smartphones bereits vorinstalliert. Nutzer greifen dank der bestehenden Verknüpfungen und der einfachen Handhabung (meist unbewusst) immer wieder auf die Dienste zu.

Das Gerücht, dass Google+ eine brachliegende „Geisterstadt“ ist, scheint auf den ersten Blick der Wahrheit zu entsprechen. Denn zumindest in Deutschland liegen die Zahlen der tatsächlich aktiven Nutzer weit unter den offiziellen Angaben des Konzerns. Was vor allem daran liegt, dass lange Zeit ein Google+ Account automatisch angelegt wurde, sobald man z.B. über das Smartphone auf bestimmte Google Dienste zugreifen wollte. Allerdings wird der Account nicht aktiv genutzt. Er „existiert“ einfach. Dennoch sind weltweit rund 300 Millionen Nutzer auf der Plattform aktiv.

Ist die Plattform für kulturelle Einrichtungen sinnvoll?

Diese Frage ist nicht ohne weiteres mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Die rückläufigen Nutzerzahlen und die sinkende Popularität sind ein klares Argument gegen die Nutzung. Vor allem in Deutschland konnte sich das Netzwerk niemals einer annährend großen Nachfrage erfreuen wie andere bekannte Social Media Plattformen. Allerdings erfreut sich Google+ in anderen Ländern nach wie vor großer Beliebtheit. Die Frage danach, ob man als kulturelle Einrichtung Google+ als Kommunikationsplattform nutzen soll ist demnach lediglich durch die Frage nach der Zielgruppe zu beantworten sowie durch die grundsätzliche Affinität zu Social Media und Online-Diensten. Für ein kleines Heimat- oder Kunstmuseum wird es verschwendete Zeit sein sich mit der Erstellung und Pflege eines Profils auf Google+ zu befassen. Interessanter sehen die Möglichkeiten für den Bereich der Kunst und besonders der Fotografie aus. Denn vor allem in diesem Bereich gibt es auch derzeit noch eine sehr aktive Community. Allerdings auch hier hauptsächlich im englischsprachigen Raum.

Zusammenfassend lässt sich ein Abschnitt aus dem MuK-Blog zitieren:

Google Plus konnte sich niemals einer großen Nachfrage erfreuen. Obgleich das Google-eigene Netzwerk aktuell über mehr als 2,2 Milliarden registrierte Profile verfügt, zeigt die Analyse des Unternehmens deutlich, dass lediglich ein Prozent aller registrierten Nutzer dieses Profil auch wirklich aktiv nutzen. Die Tendenz sei sogar fallend, was Google zu der Erkenntnis führte, dass das Profil nur unter Zwang hin angelegt wurde um andere Dienste aktiv nutzen zu können.

Als Hauptgrund für das endgültige Scheitern des Dienstes Google Plus kann das reine Nutzerverhalten an sich gewertet werden. Unzählige Menschen sind bereits bei Facebook registriert, so dass die Nutzung eines zweiten sozialen Netzwerkes in Form von Google+ schlicht und ergreifend zu zeitaufwendig und mühselig erscheint. Obgleich Google Plus mit seiner Hangout-Funktion durchaus eine benutzerfreundliche Innovation bot, so war letztlich der Vorsprung von Facebook zu groß. Da nunmehr das Google Plus Konto für die aktive Nutzung von YouTube nicht mehr benötigt wird stellt sich nahezu zwangsläufig die Frage, wofür der Dienst überhaupt noch benötigt wird.

Quelle: MuK-Blog.

Anmerkung zu den Nutzerzahlen:

Da Google+ zu Alphabet, also Google Inc. zählt, ist es natürlich schwierig an verlässliche Zahlen zu kommen. Eine Schätzung von WeAreSocial geht von 15 Millionen registrierten, aber nur 3,1 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland aus.

Ergänzend dazu:

Google+ mit 359 Millionen aktiven Nutzern weltweit, aber nur 3,1 Millionen in Deutschland“ von Michael Kroker auf Kroker’s Look @ IT.

Social Media und soziale Netzwerke – Nutzerzahlen in Deutschland 2015“ von Christian Buggisch auf Christian Buggischs Blog.

Und natürlich die offiziellen Zahlen von Alphabet/ Google Inc.

 

Beitragsbild:

„Google Plus App Icons“ von C_osett auf Flickr.

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Stefanie Karg

Kunsthistorikerin M.A.
Fachreferentin für Kulturtourismus und -marketing
Arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum Schloss Moritzburg in Zeitz.
Vorstandsvorsitzende von Kultur hoch N e.V.
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